Schlossplatz bleibt

Ein historischer Tag, heute in Münster: Der erste Bürgerentscheid, der in Münster gescheitert ist.

Trotz einer, bei all der Aufregung zum Thema, relativ niedrigen Wahlbeteiligung von nur 40,3% (Beim Musikhallen-Entscheid waren es 45,1%), haben sich 59,38 % der  237.727 Abstimmungsberechtigten beim aktuellen Bürgerbegehren für den Namen Schlossplatz und 40,62% für den Namen Hindenburgplatz entschieden.

Das war es. Die Sache ist jetzt nach dem Willen der Bürgerschaft entschieden und sollte nun ruhen.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Wunden in der Bürgerschaft schnell wieder schliessen und man bald wieder gemeinsam in die Zukunft, mit all den wichtigen Themen der Stadt, blicken kann.

Bürgerlich

Bei schönstem Spätsommerwetter fand der diesjährige Bürgerbrunch auf der Promenade vor dem Schloss statt.

Die von der Bürgerstiftung Münster initiierte Veranstaltung konnte bürgerlicher kaum sein.
So fand sie doch, entlang der nach dem Orkan Kyrill neu gepflanzten Bürgerbäume, am Tag des Bürgerentscheides über die Benennung der daneben liegenden Park- und Veranstaltungsfläche statt.

Wo auswärtige Passanten sich neugierig gaben, ob diese Veranstaltung der Schlossplatz/Hindenburgplatz-Diskussion geschuldet sei, widmeten sich die Teilnehmer des Brunches ganz anderen Themen und Gesprächen, beim Frühstück Ihrer mitgebrachten Leckereien.

Die Einnahmen der Veranstaltung, rund 12.000 Euro,  gehen zu gleichen Teilen an die Stifungseigenen Lesepaten-Projekte, sowie „Früz – Frühstücken zusammen“ und „Jekiss – Jedem Kind seine Stimme„.
Tolle Aktion. Leider waren auch dieses Jahr, trotz Erweiterung auf 150 Tische, alle Plätze sehr schnell ausgebucht.

Ich bin mir ziemlich sicher, eine weitere Vergrößerung – beispielsweise von Neutor bis zur Gerichtsstraße – würde im kommenden Jahr auch seine begeisterten Münsteranerinnen und Münsteraner finden.
Warten wir gespannt, ob man diesen mutigen Schritt geht. Immerhin geht es darum für Kinder- und Jugend-Projekte zu spenden und damit ein Zeichen für bürgerschaftliches Engagement zu setzen.

Bilderstrecke:
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Ein Jahrzehnt Stadtentwicklung

Der Internetriese Google hat still und heimlich seine Satellitenbilder der Dienste Google Maps und Google Earth aktualisiert und dabei Münster nicht vergessen.

Die bisherigen Bilder von 2006 wurden auf den Stand vom 15. April 2010 gebracht. Nicht top aktuell aber immerhin.
Zuvor gab es zwar schon Bilder von 2008, aber aufgrund der etwas schlechteren Qualität blieb man bis Anfang der Woche bei 2006.

Natürlich schauen jetzt wieder viele nach, ob sie Ihr Wohnhaus wiederfinden, die Schule oder den Arbeitsplatz, oder sonstige interessante Merkmale.

Aber als besonderes Feature ist bei Google Earth die Möglichkeit hervorzuheben, zwischen den bisher veröffentlichen Aufnahmen, hin- und herzublättern.

 

So kann man, wie in den beiden Bildern oben, nicht nur die Auswirkungen von Kyrill auf die Botanik des Schlossplatzes sichtbar machen, sondern mittlerweile fast ein Jahrzehnt an Stadtentwicklung und Verdichtung Münsters auf Google Earth nachverfolgen und Münsters Wachstum entgegen dem NRW-Trend nachvollziehen.

An folgendem Beispiel sieht man auf dem linken Bild von 2001, das noch frequentierte Hawerkampgelände,
eine in Bau befindliche Halle Münsterland und das noch in Betrieb befindliche Gasometer.
Schon fünf Jahre später, 2006, sieht man auf dem rechten Bild ein leeres Hawerkampgelände,
ein stillgelegtes Gasometer, eine nagelneue Feuerwehrwache II.

 

2008, unten auf dem linken Bild, sieht man schon den neuen Straßenzug des Albersloher Weges
mit Anbindung an den Boelckeweg. Die Halle Münsterland hat zu Ende gebaut.
Das Hawerkampgelände dient derweil als Abstellfläche für LKW-Auflieger der Firma Schmitz Cargobull.
Auf dem rechten Bild von 2010 ist der neue Praktiker Baumarkt an der Theodor Scheiwe-Straße zu erkennen.
Bereits der dritte Praktiker Standort in Münster. Auch der Albersloher Weg ist fertig umgebaut und
das Hawerkamp-Gelände liegt, wie bis zum heutigen Datum, brach.

 

Als weitere Beispiele haben wir Aasee, Auf der Horst, das Gebiet um Feuerwache II, Germania Campus, das alte Freibad Handorf, Hindenburgplatz, Leonardo Campus, rund ums Preußenstadion, Schleuse und Stubengasse/Hanse Carré in eine Diashow eingefügt, in der man auch vor- und zurückblättern kann.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Münster hat ein „Pro“blem

Ich hatte gehofft hier zu diesem Thema nichts mehr schreiben zu müssen.

Nun haben wir doch wieder den Nazifaktor in der unendlichen und langsam nervenden Diskussion um den Hindenburgplatz, dessen Umbenennung in Schlossplatz und der jetzt laufenden Aktion für ein Bürgerbegehren zur Rückbenennung in Hindenburgplatz.

Vorab: Auch ich als Schreiber dieses Artikels war im Vorfeld gegen eine Umbenennung in Schlossplatz, allerdings ausser Acht lassend der geschichtlichen Hintergründe und eher als Kritik des Ablaufs der Umbenennung gemeint.
Dabei war ich nicht allein. Viele zehntausende waren im Vorfeld ebenfalls gegen die Umbenennung, doch der Rat hat in letzter Instanz dafür entschieden.
Schön wäre gewesen den Namen beizubehalten und als geschichtliche Aufklärung der Stadtgeschichte zu belassen.

Mittlerweile sind über den bisherigen Ablauf Parteien zerstritten, es gab Parteiaustritte bei der CDU.
Auf der anderen Seite machten Menschen Front gegen die Umbenennung und sammelten Unterschriften für ein Bürgerbegehren, erst still und heimlich und dann offenbar mit großem Erfolg auch in der Öffentlichkeit.

Rechte Unterstützung

Der Bürgerinitiative „Pro-Hindenburgplatz“ mit Unterstützung der Jungen Union Münster, schliesst sich jetzt aber auch die rechtsextreme Partei „Pro-NRW“ an, denen der Populismus um die Namensvergabe des Machtbereiter Hitlers nur „recht“ sein kann. Wird es zu der Rückbenennung in Hindenburgplatz kommen, wird sich Pro-NRW das auf die Fahnen schreiben.

Ergebnis 180 Grad umgekehrt

Und damit hat Münster jetzt ganz offiziell ein „Pro“blem, denn kommt das Bürgerbebehren gegen die Umbenennung des Hindenburgplatzes wirklich zustande,  kann Münster in der Öffenlichkeit rechte Tendenzen im Thema nicht von der Hand weisen.
Und somit macht die Umbenennungsfarce dann den geschichtlichen Pfad erfolgreich, den man eigentlich zu beseitigen versuchte.
Nach jahrelangem erfolgreichen Widerstand gegen Rechts in Münster, scheint mit der Hindenburgplatz Diskussion und nicht zuletzt mit der gescheiterten „Keinen-Meter den Nazis“ Demo den Rechten jetzt etwas Rückenwind zuzukommen.

Die rechtsextreme Partei Pro-NRW hat bereits angekündigt im Münsterland in die Offensive zu gehen und bei der Kommunalwahl 2014 in Münster antreten zu wollen.

Ratsparteien informieren

Die Ratsparteien machen mit Broschüren oder Infoständen in der Innenstadt auf die Situation aufmerksam und wollen mit diesen Infokampagnen der Unterschriftensammlung  für die Rückbenennung entgegentreten.

Doch sollte es wirklich zum Bürgerentscheid kommen, wird der hochverschuldete münsterische Haushalt (man erinnere sich an zuletzt geschlossene Schwimmbäder und Spielplätze) mit schätzungsweise 300.000 Euro zusätzlich belastet werden.
Als demokratisches Gut und legitim zustande gekommen ist daran nur verwerflich, dass die Bürgerinnen und Bürger es mit der Stadtratsentscheidung „Schlossplatz“ nicht auf sich beruhen haben lassen, denn der Schritt zurück zu Hindenburg ist unter den entstehenden Kosten und Umständen jetzt mit vernünftigen Argumenten nicht mehr erklärbar.
Für die Aussendarstellung der Stadt Münster: ein „Pro“blem.

300.000 Euro die nicht da sind

Ein reaktionäres Verhalten nach der Umbenennung in Schlossplatz kam auch für mich nicht in Frage. Ich hatte gehofft, dass auch andere Bürger die gegen die Erweiterung des Schlossplatzes waren, letzten Endes die Entscheidung des Stadtrates akzeptieren und als Chance sehen. Insbesondere in Hinblick auf die eventuell anstehende, bauliche Veränderung des Platzes.

300.000 Euro wird dieser demokratische Weg nun aber kosten, die an anderer Stelle bitter fehlen und die weg sein werden, egal wie der Bürgerentscheid letzten Endes ausfallen wird.
Die einzigen Chancen zur Kostenvermeidung:
– Es sind viel der gesammelten Unterschriften ungültig und die erforderliche Zahl wird nicht erreicht
– Der Rat der Stadt nimmt seine Entscheidung zur Umbenennung in Schlossplatz zurück, was als unwahrscheinlich gilt und auch angesichts des aufgekommenen Rechtspopulismus nicht als Option scheint.

Alles in allem eine Geschichte, die Münster für mich ein ganz kleines Stück weniger lebenswert gemacht hat
und auf die man als Münsteraner nicht stolz sein kann.

Weiterführende Links:

Symbolische Aktion „Schlossplatz bleibt Schlossplatz“ der Grünen Münster
– Broschürenaktion der SPD Münster für den Schlossplatz