Zurückerobert II

Der Konversionsprozess in Münster schreitet voran.

Heute gab es erneut Gelegenheit eine der ehemaligen britischen Liegenschaften in Münster zu besichtigen.
Nach der York-Kaserne in Gremmendorf, stand heute die ein Jahr später freigezogene Oxford-Kaserne in Gievenbeck den Bürgern offen.

Geschichte

Obwohl am 19. November 2013 schon einmal die Möglichkeit einer Besichtigung bestand, zog es heute trotz Regenwetter viele Münsteranerinnen und Münsteraner an die Roxeler Straße.
1934 bis 1936 für die Wehrmacht als Hermann Goering Kaserne erbaut, diente sie bis zur Eroberung im 2. Weltkrieg durch die britische Infanterie, an Münsters Befreiungstag, dem 3. April 1945, der Reichsluftwaffe mit Scheinwerfer– und Flugabwehrbatterien.

Am besagten Tag wurde sie durch die 4th (Armoured) Bn Coldstream Guards, Teile der 6th Guards Armoured Brigade eingenommen und drei Tage für die Instandsetzung ihrer Panzer genutzt, bevor man nach Hamburg weiter zog.
Seither wurde die Kaserne durch verschiedene Infanterieeinheiten der Britischen Rheinarmee (BAOR), später British Forces Germany (BFG), genutzt.

Am 14.11.2013 fiel das 26 Hektar große Gelände zurück an den Eigentümer, der nicht die Stadt Münste, sondern der Bund ist und wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), verwaltet.

Stand heute

Bei der heutigen Besichtigung konnten Teile des verwinkelten Kasernengeländes und zwei Gebäude von innen besichtigt werden.
Ein wundervoller alter Baumbestand durchzieht das gesamte Gelände.
Dennoch wirkt das Gelände im Vergleich zur York Kaserne in Gremmendorf (Aa bis Zoo berichtete) relativ langweilig und unübersichtlich.
Die Gebäude, teils aus der Erbauerzeit von 1934-36, teils in den 50er Jahren ergänzt, sind in einem relativ schlechten Zustand.

Feuchte Keller, defekte Fenster, Türen, zerstörte und schlecht erhaltene Inneneinrichtung war zumindest in dem zu besichtigenden Unterkunftsgebäude, zu beobachten.
Ansonsten zäumen das Gelände zahlreiche Lager und Garagen, die ebenfalls in schlechtem Zustand sind.
Ebenso befinden sich auf dem Gelände eine Kindertagesstätte, Schulen, eine Tankstelle, ehemalige Werkstätten und zahlreiche Sportplätze.

Zukunft

Das Gelände bietet viel Potential für Münster und Gievenbeck ist aber trotz Denkmalwürdigkeit ein anspruchsvolles Konversionsprojekt.
Nicht zuletzt wegen Altlasten und schlechtem Zustand der Substanz.

Im laufenden Konversionsprozess hatten die Münsteranerinnen und Münsteraner, wie schon bei der York Kaserne in Gremmendorf, Gelegenheit Ihre Anregungen in Workshops einzubringen, dessen Arbeitsergebnisse bereits am 20. Februar 2014 der Öffentlichkeit in einer Bürgerversammlung vorgestellt wurden.
Derzeit sind mehrere Planungsbüros von der Stadtverwaltung beauftragt, städtebauliche Entwürfe für das Kasernenareal zu erarbeiten, die die Anregungen der Bürger aufgreifen.
Die Ergebnisse werden am Mittwoch den 2. Juli 2014, vermutlich wieder in der Aula des Freiherr-von-Stein Gymnasiums, präsentiert.

Aa bis Zoo bleibt am Ball und berichtet.

Weiterführende Links:

Bebilderter Artikel über die York Kaserne in Gremmendorf (Aa bis Zoo)
– Zur Konversion der Oxford-Kaserne (Stadt Münster)
Zur Konversion der Oxford Kaserne (BImA)

40 Jahre Allwetterzoo

Mit dem heutigen Tag kann man in Münster an der Sentruper Straße nun bereits 40 Jahre „Tiere hautnah erleben„.
So lautet das Motto des Allwetterzoos, der heute seinen 40. Jahrestag feiert.

Eingang des Allwetterzoo

Der Allwetterzoo in Münster ist eines der Markenzeichen unserer Stadt und nicht zuletzt deswegen tragen auch wir den Zoo im Titel unseres Blogs und sind stolz darauf, so eine Attraktion in Münster haben zu dürfen.

50.000 Besucher durchströmten damals am 2. Mai 1974 die neue Anlage, die den im Juni 1875 eröffneten und Ende 1973 geschlossenen Zoologischen Garten auf der „Insel“ zwischen der Himmelreichallee und Aa ablöste und an den noch die dortige „Tuckesburg„, das skurrile Wohnhaus des Zoogründers Hermann Landois, und Teile des ehemaligen Eulenturms im Park neben dem LBS-Gebäude erinnert.

Zwar geriet die Betonarchitektur des Allwetterzoos schnell in die Kritik, aber es verging seit der Eröffnung des Zoos kaum ein Jahr an dem die Anlage nicht aus- und umgebaut wurde, sodass von einer kargen Architektur nicht mehr viel zu spüren ist. Alleine zum Wohl der Tiere gibt es immer wieder Erweiterungen und Umgestaltungen, wie auch zuletzt der 2013 eingeweihte 5000 Quadratmeter große Elefanten-Park demonstriert.
Auch bei Artenschutz, Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagiert sich der Allwetterzoo. Artenschutz-Stiftung und Zentrum, wie auch internationale Projekte zum Schutz und Erhalt bedrohter Tier- und Pflanzenarten in ihren natürlichen Lebensräumen, sind nur ein Teil des Programms.

Wer also meint, seit seinem letzten Besuch im Zoo hat sich nicht viel getan, der irrt gewaltig.
Ein Besuch des 30 Hektar großen Areals lohnt immer – nicht nur für die Kleinen, auch für die Erwachsenen gibt es immer interessantes zu erleben.
3.054 Tiere in 320 Arten gibt es auf den rund 4,5 Kilometer langen Wegen zu entdecken.

Der Zoo lockt in seiner Jubiläumswoche mit Eintrittspreisen wie vor 40 Jahren. Für nur €3 kann man heute die Anlage den ganzen Tag besichtigen.
Für den gleichen Preis kann man bei Vorlage einer Zoo-Eintrittskarte mit dem Wasserbus Solaaris eine einstündige Rundfahrt am Nachmittag auf dem Aasee genießen.

Münster – Von Aa bis Zoo gratuliert zum Jubiläum und freut sich auf viele weitere Jahre mit dem Allwetterzoo in Münster!

Weiterführende Links:

Webseite des Allwetterzoo Münster

Gegen das Vergessen

Mehrere Gruppen luden zur Kundgebung mit anschließendem Demonstrationsmarsch durch die Innenstadt Münsters, anlässlich des heutigen 3. Jahrestages des großen Tōhoku-Erdbebens von 2011, welches einen Tsunami generierte, der mitunter zur nuklearen Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi führte.

Atomkraft Nein Danke

An jenem Tag fanden bei dem Desaster 15.884 Menschen den Tod, 6.148 wurden verletzt.
Noch am heutigen Tage gelten 2.636 Menschen als vermisst.

Neben dem dort heute immer noch andauernden menschlichen Leid, rund 267.000 Menschen sind nach drei Jahren immer noch evakuiert, gilt ein weiteres Augenmerk auf den andauernden Supergau in Japan, mit fast täglich neuen Hiobsbotschaften und das unkalkulierbare Risiko bei noch bestehenden Atomanlagen, weltweit.
Das beste Beispiel führt uns das Unglück des 1986 explodierten Atomreaktors Tschernobyl in der Ukraine vor Augen, das sich in wenigen Wochen zum 28. mal jährt und der sich heute immer noch nicht unter Kontrolle befindet.

Auch Münster ist von Atomanlagen umgeben. Kernkraftwerke Lingen, Grohnde, Tihange in Belgien, oder die Urananreicherungsanlage in Gronau stellen im Falle einer schweren Havarie keine große Entfernung dar. Störfälle gibt es jetzt schon reichlich.

Europas alterne Reaktoren

Der nach der Fukushima Katastrophe eingeläutete Atomausstieg in Deutschland, ist ins stocken gekommen.
Und das obwohl die Anlagen in die Tage gekommen sind und ein zunehmendes Risiko darstellen.
Auch gilt Atomkraft lange nicht mehr als die saubere und billige Energiequelle.
Die WDR-Wirtschaftsredaktion nennt sie sogar „Das Billionen-Dollar-Desaster„.

Zeitzeugen berichten

Die Zeitzeugen des Atomunfalls in Tschernobyl, Anna Jemeljantschik und Oleg Geraschtschenko und in Fukushima, Yukimi Hagiwara, berichten im Rahmen der europäischen Aktionswochen „Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima„, dessen Schirmherrschaft Oberbürgermeister Markus Lewe für Münster übernommen hat, bei Schulvorträgen über Ihre Erlebnisse.

Am Mittwoch, 12. März 2014 gibt es eine öffentliche Veranstaltung von 19.00 bis 21.00 Uhr im Fürstenberghaus Lesesaal F2, am Domplatz 20-22 statt.
Über Erfahrungen aus Fukushima berichten Yukimi Hagiwara und ein weiterer Zeitzeuge im Vortrag „Der Unfall in Fukushima und seine Folgen für Japan und die Welt“
Eintritt ist kostenlos.

Weiterführende Links:

– Internationales Bildungs- und Begegnungswerk IBB e.V.
SofA Münster
Greenpeace Münster

Konversion: Erste Wettbewerbsergebnisse

Die Konversion der ehemals britischen Militärliegenschaften im Stadtgebiet schreitet voran.
Aa bis Zoo begleitet seit Anbeginn den Prozess der Konversion, also Umnutzung der militärischen Flächen in zivil genutztes Geländes, am Standort der York Kaserne in Gremmendorf und hat aktiv am Perspektivplan in der Arbeitsgruppe „Zentrum und Vielfalt“ mitgearbeitet.

Nach der Vorstellung dieses Perspektivplans hat der Stadtrat im November diesen als Vorlage für einen „städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb“ freigegeben und zur Bedingung gemacht.
An diesem Wettbewerb, der in zwei Stufen geteilt ist, nahmen 13 Architektur- und Stadtplanungsbüros teil, die von der Stadt aufgefordert wurden städtebauliche Entwürfe für das 50 Hektar große Gremmendorfer Gelände zu erarbeiten.

Einladung

Am gestrigen Abend lud die Stadt zur Ergebnispräsentation der ersten Hälfte des Wettbewerbs, durch die es nach Auswertung einer Jury vier Büros mit Ihren Entwürfen geschafft haben.
Die Besonderheit hier – und das hat die Stadt von Anfang an immer wieder betont – ist die Beteiligung der Bürgerschaft.
So ist in diesem Wettbewerb jetzt die Anonymität aufgehoben und bei der Veranstaltung in den Räumlichkeiten von Westfalenfleiss am Kesslerweg präsentierten die vier Büros Ihre Entwürfe nicht nur den zahlreich anwesenden Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch den Planern aus den weiteren Wettbewerbteams.

Drei Stunden lang stellten die Teams von
ASTOC GmbH & Co. KG in ARGE mit Davids | Terfrüchte + Partner (Köln)
– Ortner & Ortner Baukunst (Wien/Köln)
– Lorenzen Architekten GmbH in ARGE mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten und ARGUS Stadt-/Verkehrsplanung (Berlin/Kopenhagen)
und
farwick + grote architekten BDA stadtplaner in ARGE mit Club L94 Landschaftsarchitekten (Ahaus/Dortmund)
die von ihnen erarbeiteten Entwürfe vor und sich im Anschluss den kritischen Fragen und Hinweisen der Bürger.

Die vier Konzepte kamen mit unterschiedlichen Ansätzen einer Realisation, die jetzt im nächsten Schritt, nach der Anregung der Bürger und mit neuen und engeren Vorgaben durch Jury & Stadtverwaltung, verfeinert werden müssen.
Aus der dann folgenden Bewertung geht eine Rangfolge der Projekte mit den Plätzen eins bis vier hervor. Diese „Preisgerichtssitzung 2. Stufe“ mit anschließender Ausstellung ist für Mai/Juni 2014 vorgesehen.

Von den vier in der Endausscheidung befindlichen Arbeiten, wie auch von den nicht weitergekommenen Entwürfen können sich die Bürger noch bis einschließlich zum 7. März in der Glashalle des Stadthauses 3 am Albersloher Weg 33 überzeugen. Dort sind Pläne und Stellungnahmen der Büros ausgestellt und während der Öffnungszeit des Stadthauses einzusehen.

Aa bis Zoo bleibt natürlich am Ball, wenn der Gewinner der 2. Phase bekanntgegeben wird. Mehr dazu dann hier im Blog.

Weiterführende Informationen:

PDF Dateien der noch im Wettbewerb befindlichen Projekte des städtebaulichen Wettbewerbs York-Kaserne, Phase 1, zum herunterladen:

– Ausschreibung städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb „Entwicklung der York-Kaserne“ (PDF, 5.120 kB)

– Entwurf ASTOC (PDF, 1.800 kB)
– Entwurf Farwick + Grote (PDF, 2.300 kB)
– Entwurf Lorenzen (PDF, 2.400 kB)
– Entwurf Ortner und Ortner (PDF, 1.000 kB)