Zweiter Zwilling

Wer die Tage vielleicht mal die Dingstiege entlanggeradelt und an der Schleuse vorbeigekommen ist, der wird bemerkt haben, dass man mittlerweile einen Blick auf ein fast fertiges Schleusenbecken 2 bekommt.

Schleusenkammer der neuen Schleuse 2  Schleusenkammer der neuen Schleuse 2

Die neue Schleuse 2 wird der sogenannte „zweite Zwilling„, der beiden neu gebauten und zusammengehörigen Schleusen 1 & 2, die als solche „Zwillingsschleuse“ genannt werden.

Zwilling nicht nur wegen der fast identischen Bauart, sondern auch weil die beiden Schleusen durch Verbindungskanäle miteinander verbunden sind und die beiden Schleusenkammern voneinander abhängig betrieben werden.
Soll heissen, wird eine Schleuse abgesenkt so wird ein Teil des entnommenen Wassers in die andere Schleuse gepumpt, die sich somit anhebt.

Wasserauslass des unterwasserseitigen Längskanalverschlusses am Auslaufbauwerk

So lässt sich der Wasserverbrauch um 50 % senken. Acht Millionen Liter Wasser weniger müssen so pro Schleusvorgang aus dem Kanal entnommen werden.
In 9 Minuten können beide Schleusen zusammen oder eine Schleuse in 6 Minuten, den Höhenunterschied von 6,2 Meter überwinden.

Doch das sind nicht die einzigen Baugründe. Höheres Güteraufkommen, größere Schiffe, sowie der Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals, der jetzt seit 20 Jahren höchste Priorität im Wasserstraßenbau geniesst, machten eine neue Schleusenanlage erforderlich.

Riskante Baggerarbeiten am Auslaufbauwerk

Die alten, historischen Becken konnten den Anforderungen nicht mehr standhalten.

Fertigstellung 2013

1898, 1913 und 1926 wurden die alten Schleusen I, II und II fertiggestellt.

Schleusentor der alten Schleuse III

100 Jahre nach Einweihung des Vorgängers wird die neue Schleuse 2 ein neues Zeitalter mit Deutschlands modernster Doppelschleuse einläuten.

Aber auch wenn der zweite Zwilling heute schon fast fertig ausschaut, gibt es noch sehr viel zu tun.
Nach einer Bauzeit von vier Jahren und der Indienststellung der neuen Schleuse 1 im Februar 2009 ging es direkt weiter zur zweiten, deren Vollendung Mitte 2013 anvisiert ist.

Derzeit fehlt noch Technik, die zwei je 52 Tonnen schweren Schleusentore an der Unterseite des Kanals, sowie das 35 Tonnen schwere Klapptor an der Oberseite und Ein- & Auslauf des rund 280 Meter langen Schleusenbauwerks, wovon nur rund 190 Meter die reine Schleusenbeckenlänge ausmachen.

Auslaufbauwerk zum unteren Vorschleusenbecken

Dann ist eine der größten aber vielleicht auch undiskutiertesten Baustellen Münsters der letzten Jahrzehnte abgeschlossen.

Doch leider steht noch viel mehr ins Haus, was nicht nur in Sachen Größe und Bauzeit dunkle Wolken an den Horizont malt, sondern leider auch in Sachen Einschränkung und Belastung der Münsteranerinnen und Münsteraner:

Der Ausbau der Stadtstrecke des Dortmund-Ems-Kanals in Münster, für den derzeit 10 Jahre eingeplant sind.

Weiterführende Links:

– Schleuse Münster (Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine)
Ausbau Stadtstrecke des Dortmund-Ems-Kanals in Münster (Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine)
– Schaustelle Schleuse, Informations- und Ausstellungsraum

 

Neue Schleuse 1

Edit: 15.04.2014:
Die neue Zwillingsschleuse geht offiziell in Betrieb

 

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2 Responses to Zweiter Zwilling

  1. jp says:

    Interessanterweise sind die Pläne bezüglich der Sperrung / Erneuerung diverser Brücken an der Stadtstrecke des DEK, die für 2013 angekündigt waren, nicht mehr beim WSA zu finden. Ausweislich des Bauzeitenplans geht’s an der v.Richthofenstraße erst Anfang 2014 los; an der Wolbecker Mitte 2017.

  2. jp says:

    So spektakulär die Baumaßnahmen auch sind, ich sehe der Kanalerweiterung als betroffener Anwohner mit Schrecken entgegen. Der Bauverkehr wird an meiner Haustür vorbeigeleitet und „meine“ Brücke in die Stadt gesperrt. Das wird hochgradig ätzend.

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