The Day After

The Day After – Der Tag danach. Der Titel, inspiriert von einem Endzeitfilm aus den 80er Jahren und den Wetterereignissen der gestrigen Nacht.

Wenn ich gewusst hätte, dass es so Dicke kommt, ich hätte den vorigen Artikel nicht geschrieben.
Wirkt er doch jetzt lächerlich harmlos.
Am Ende wird NRW-Innenminister Jäger das Unwetter als eines der schwersten der vergangenen 20 Jahre bezeichnen, dass an diesem Pfingstwochenende in NRW sechs Menschenleben forderte, 67 Menschen verletzte, davon 30 schwer.

In Münster begann das Szenario am Montag Abend gegen 22 Uhr.
Die Wetterdienste warnten den Tag über schon vor Gewitter und Sturmböen, während sich die Superzelle des Orkantiefs „Ela“ im Westen Europas formte.
Superzelle Pfingsten 2014 Esasat
Der Himmel zog sich zu und von Südosten näherte sich Münster eine sehr böse ausschauende Gewitterfront, mit starkem Wetterleuchten. Kein Regen im Vorfeld.
Dann ging es schnell. Die Stille wich einem schnell aufbrausenden Sturm mit hohen Windgeschwindigkeiten, anhaltenden Blitzen und Donnergrummeln.
Starkregen setzte ein und schoss fast waagerecht durch die Straßen. Über 70 Keller wurden in Münster binnen kurzer Zeit geflutet.

Zahlreiche Unterführungen, wie Niedersachsenring, Hafenstraße, Hoher Heckenweg, Mecklenburger Straße aber auch normale Straßenzüge, wie Adenauer Allee, Albersloher Weg, Wolbecker- oder Warendorfer Straße inklusive Nebenstraßen wurden wegen verstopfter Gullis überflutet oder durch Äste blockiert.
In Sudmühle wurde die Wersebrücke überschwemmt.


Ein- und Ausfallstraßen waren ebenso von Baum oder Wasserschäden betroffen und waren nur schwer oder gar nicht passierbar.
Autos und LKW gerieten unter Bäume, die Promenade glich in kurzer Zeit, wegen heruntergefallener Äste und umgestürzter Bäume, einem Schlachtfeld.
In zwei Stunden liefen bei der Feuerwehr 200 Einsätze auf. Bis Dienstag Nachmittag rückten die Einsatzkräfte rund 500 Mal in Münster aus.
Der Bahnverkehr kam nicht nur in Münster, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen zum erliegen und rollte erst Dienstag Mittag wieder langsam an.
Am Albersloher Weg und Zum Erlenbusch wurden Häuser unter Bäumen begraben. Personen kamen zum Glück nicht zu schaden.

109.238 Wolkenblitze & 206.091 Bodenblitze entlud die Superzelle in 24 Stunden auf Ihrem gesamten Weg durch Europa.

Alleine bei der Provinzial Versicherung gingen für Münster über 10.000 Schadensmeldungen mit einem Gesamtschadenaufwand von über 75 Millionen Euro ein.
Diese Zahl wird in den kommenden Tagen noch einmal nach oben korrigiert werden müssen. Hinzu kommen die Summen weiterer Versicherer.

Dank gilt den Einsatzkräften

„NRW wurde vom schlimmsten Unwetter seit rund 20 Jahren getroffen.
Wir haben es den vielen unermüdlichen Einsatzkräften zu verdanken, dass viele Gefahrenstellen rechtzeitig beseitigt wurden“,
erklärte Innenminister Ralf Jäger heute in Düsseldorf.
Auch in Münster leisteten Polizei & Rettungsdienste, THW, AWM, Umweltamt und alle involvierten Mitarbeiter der Stadt großartiges,
sodass ab Dienstag Nachmittag kaum noch was von den Folgen des Unwetter spürbar war. Zumindest in weiten Teilen des Straßenverkehrs.
Die Sonne zog ebenfalls wieder auf und bot den Münsteranerinnen und Münsteranern 28 °C. an der frischen Luft.
Aufgrund von Aufräum- und Sicherungsarbeiten sind allerdings die Schwimmbäder Sudmühle und Stapelskotten bis Mittwoch gesperrt worden.
Auch die Promenade ist teilweise gesperrt und muss noch von Geäst befreit werden.
Es wird empfohlen die Promenade zu meiden, weil derzeit noch lose Äste und Bäume herabstürzen können.
Die Versicherungen werden erst morgen oder Übermorgen mit den ersten Zahlen zu den Kosten für dieses Unwetter an die Presse gehen.

Auch meine vier Wände blieben nicht verschont. Irgendwie fand das Regenwasser durch die Decke und eine Renovierung steht nun an.
Aber auch wenn das, ich nenne es mal „Pfingst-Unwetter von 2014“ gefühlt stärker war, als der Orkan Kyrill im Januar 2007,
so sind wir in Münster mit einem Schrecken davon gekommen.
Schade um die vielen Bäume, die wieder einmal aus dem Stadtgebiet verschwinden, aber glücklicherweise blieben uns in Münster größere menschliche Tragödien erspart.
Aufrichtige Wünsche an Freunde, Bekannte und Familien, der sechs in NRW ums Leben gekommenen Menschen.
Schnelle Genesung allen, die sich bei diesem Unwetter verletzten.
Und auch wenn es jetzt viele wieder im Rahmen ihrer Gewohnheit abtun, so sollte doch jeder Einzelne einmal sein Umweltverhalten überprüfen
und nachdenken ob unser Verhalten nicht doch mitunter Auslöser solcher Wetterkapriolen sein kann, die ja doch immer häufiger und stärker werden.
Der Klimawandel ist da, wir müssen uns ändern, oder damit Leben.

Weiterführende Links:
– Youtube Video der Unwetterformationen über Europa, 09-10 June 2014, via EUMETSAT’s Meteosat-10 satellite, in 36,000 km Höhe:

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