Lückenschluss – Teil 1

Wie ich als Neujahrseinstieg schon schrieb, ist 2015 das Jahr der Baustellen in Münster.

Eine markante Bau-„Stelle“ ist der Albersloher Weg. Quasi ein Lückenschluss findet am Hafen statt. 2012 berichtete ich schon über das weitere Bauvorhaben der PSD Bank.
Der sogenannte 2. Bauabschnitt vom Hafenweg entlang des Albersloher Weges, bis zur vorhandenen Wohnbebauung vor der Einmündung der Bernhard-Ernst Straße, wurde schon Ende des vergangenen Jahres begonnen. Nun sind die Tiefbauarbeiten schon weit vorangeschritten und der Bau des Gebäudes in die Höhe schliesst sich an.


Mit einem Jahr Verspätung begann das Projekt, dass in diesem Jahr bereits eröffnet werden sollte. Angesichts der Tatsache, dass die Auslastung im gegenüberliegenden Portal 10 Gebäude nicht ganz optimal ist, muss man sich Gedanken machen, wie dies später im neuen PSD-Komplex ausschaut. Die Situation in Gesamt-Münster ist nicht anders. Büro- und Gewerbeflächen gibt es im Gegensatz zu bezahlbarem Wohnraum in Überfluss. Dennoch schiessen weitere Komplexe aus dem Boden.
Traurig macht auch, dass der Blick auf die alte Feuerwache mit der Fertigstellung des 2. Bauabschnittes, vom frequentierten Albersloher Weg aus, versperrt wird.

Und auch auf der gegenüberliegenden Seite zeichnet sich die Fertigstellung einer unauffälligen Baustelle ab, die die Lücke zwischen Portal 10 und dem Cineplex füllt.
Rede ist von der ehemaligen Gaststätte „Landsmann“ in dem über 100 Jahre alten Gebäude, welches die Gegend noch mit Kiesekamps Mühle und einem richtigen Stadthafen als Umschlagsplatz von Gütern kannte, bevor dieser zur Amüsiermeile wurde, der neue Stadtwerke-Bürobau, Cineplex, PSD und Portal 10 noch gar nicht da waren.


Der Ex-Landsmann, seinerzeit auch berühmt-berüchtigt wegen vieler Schlägereien von britischen Soldaten und sicherlich auch Münsteranern, hat Anfang Dezember 2014 bereits unter neuem Namen eröffnet. „Lolas Schicksaal“ und „Rote Lola“ nennt man Lokal und Imbiss jetzt am Ort und lässt die Geschichte des „Landsmann“ hinter sich. Die Eigentümer, Familie Müller der Brauerei Pinkus Müller, bleiben aber nach wie vor, wie auch ein Teil der alten Einrichtung. Nur der Pächter hat gewechselt und noch einige Zeit wird es dauern, bis alle Arbeiten abgeschlossen sind, die verbleibenden Gerüste abgebaut und die Fensterläden wieder montiert sind. Der Betrieb läuft derweil aber munter weiter.

In zweite Reihe verbannt

Lange gab es damals Diskussionen die denkmalgeschützte Feuerwache am Hafen zu erhalten. Dies gelang glücklicherweise und so strahlt sie seit einigen Jahren an Ihrem Standort restauriert und in frischen Farben, wenn Ihr Inneres jetzt auch einem ganz anderen Zweck dient.

Aber es bahnt sich etwas an, dass eines der Markenzeichen der Stadt und insbesondere des Hafenviertels, ab dem nächsten Jahr in die zweite Reihe verbannen und für immer verdecken wird.

Dann weicht die heutige Sicht vom Albersloher Weg auf die Feuerwache…

…in Zukunft diesem Bild:

In einer knappen Pressemitteilung machte die PSD-Bank Westfalen Lippe Anfang der Woche darauf aufmerksam, im kommenden Jahr mit dem zweiten Bauabschnitt des PSD-Bankhauses am Albersloher Weg beginnen zu wollen.
Ein Büro-Komplex, der sich auf dem Grund des jetzigen Aussenparkplatzes vor der Bank, entlang der Strasse bis an die angrenzenden Wohngebäude zieht.
Fünf Stockwerke einer glasdurchzogenen Fassade werden dabei ganz steril den Blick vom Albersloher Weg auf die alte Feuerwache verdecken.

Top Secret

Anfragen an die PSD-Bank baten in Ihrer Beantwortung um Verständnis zum derzeitigen Zeitpunkt keinerlei Auskünfte zum Projekt geben zu können.
Vom vermutlich ausführenden Architekturbüro Heupel, dass sich bereits mit der Ausführung des ersten Bauabschnittes rühmte – nicht einmal der Anstand einer Antwort.
Wofür dann die Pressemitteilung?

Wir fürchten um den Austausch des Ausblicks auf die historische Fassade einer alten münsterschen Institution, die zwischen 1928 und 1930 erbaut wurde und seinerzeit viele Leben rettete, auf einen sterilen Büroneubau.

Wolfgang Hölker, Verleger des in der alten Feuerwache ansässigen Coppenrath Verlags, sagte einst:
„Jedes Haus erzählt eine Geschichte und die darf man ihm nicht nehmen.“
So setzte er sich in der Vergangenheit mehrfach für den Denkmalschutz, nicht nur für die Restaurierung der alten Feuerwache, sondern auch weiterer Gebäude, ein und initiierte die Entwicklung des Kreativkais im Münsterschen Stadthafen mit Erhalt eines Teils der dortigen Architektur.

Nicht lebenswert

Ganz einfach schade wäre es, wenn das historische Stadtbild Münsters zugunsten immer mehr moderner und gesichtsloser Fassaden in den Hintergrund rücken würde.
Sehr oft wird die Lebenswertigkeit der Stadt Münster, festgestellt in einem acht Jahre alten Wettbewerb, hervorgehoben, doch ist die derzeitige Tendenz gegenläufig, wenn sie durch ein austauschbares Gesicht des 21. Jahrhunderts dargestellt wird.

Überrannt wird Münster derzeit von architektonisch glatten Schnellschüssen, die die fast 1220 Jahre alte Geschichte der Stadt in den Hintergrund verbannt. Alter Fischmarkt, Stubengasse, zahlreiche Carré’s in der Innenstadt, Hafencenter, Konversionsflächen – zählt Expansion und Moderne vor Stadtgeschichte?

Ich hoffe auf die Objektivität der Bürger und dass man sich zumindest im Zuge der Veränderung mit dem was kommen mag, kritisch auseinander setzt.
Münster muss keinem hippen Trend folgen und sein historisches Flair mit einem Gesicht aus Stahl und Glas maskieren, nur weil Marktforscher einen Standort als Topadresse ausweisen.
Es geht auch anders, wie andere Städte zeigen und bei Münsters alter Feuerwache wäre es ausserordentlich Schade, den Blick hierauf zu nehmen.
Und so nehme ich mir die Freiheit den Satz von Wolfgang Hölker etwaszu erweitern, in:
„Jedes Haus erzählt eine Geschichte und die sollte man nicht verdecken“.

Hier noch eine aktuelle Bilderserie der alten Feuerwache, wie man sie in Zukunft vielleicht nicht mehr sehen können wird: