2015 – Das Jahr der Herausforderungen

Frohes Neues Jahr!

Ich hoffe Ihr habt alle gesund und munter den Jahreswechsel vollbracht, denn 2015 wird ein Jahr der Herausforderungen. Für uns und für unsere Stadt.

Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer

Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer

Seit kurzem sind wir 300.000 Einwohner und die Zahl steigt, was bedrückend auf den ohnehin schlechten Wohnungsmarkt wirkt.
Bezahlbarer Wohnraum fehlt und zusätzlich werden der Stadt derzeit rund 150 Flüchtlinge pro Monat zugeteilt, obwohl es an Einrichtungen auch hierfür mangelt. Die gesamte Stadt verfügt aktuell nur über 495 Plätze (Stand 01/2015) und ist hier völlig überfordert.
Die Bürgerschaft streitet parallel blind und zeitraubend über geeignete Standorte für neue Flüchtlingsheime und Justizvollzugsanstalten, Bau von Verkehrsstationen, Umgehungsstraßen und Anbindungen, Lärmschutzwände, Stadtfeste, Kulturerbe-Feiern, Kirchentage, Schwimmbäder, Eishallen, Nutzung von Festsälen, Fußballstadien, Bau von neuen Hochhäusern und über Wertstofftonnen.

All das ist anstrengend, zermürmend, kostet Zeit und Geld und es führt zu nichts.
Ich wünsche mir für 2015, dass ein mancher seine Belange nicht vor die vieler anderer stellt.
„Flüchtlingsheim ja, JVA ja, aber nicht bei mir vor der Tür“, funktioniert nicht. Genau sowenig bringt ein ewiger Rechtsstreit gegen eine Ortsumgehung etwas, die einen persönlich stört aber die einen ganzen Stadtteil und seine Bewohner entlastet. Etwas weniger Egoismus, mehr denken für die Gemeinschaft, sollte Vorsatz nicht nur für 2015 sein.
Schliesslich leben wir alle gemeinsam in dieser Stadt, auf die wir stolz sind und immer als „lebenswert“ hoch halten, auch wenn dieser Titel einmalig vor über 10 Jahren vergeben wurde.

Und da kommen wir auf einen Punkt, bei dem wir in 2015 mit Sicherheit das eine oder andere Mal Münster nicht mehr als „lebenswerteste Stadt der Welt“ bezeichnen werden.
Baustellen.
Davon wird es in 2015 und auch in den folgenden Jahren sehr viele und vor allem große geben.
Da wäre zum einen der Bahnhofsneubau. Bis Ende 2016 werden wir uns damit abfinden, Umwege, Schmutz und Lärm in Kauf nehmen müssen.
Am Ende aber können wir aber wieder mit gehobenem Haupt Reisende in dieser Stadt empfangen und müssen uns nicht für das in die Jahre gekommene alte und hässliche Gebäude schämen.

Dann kommt ein Bauprojekt in Gang, dass der Stadt ein schönes Naherholungsziel nimmt.
Die Rede ist von der Kanalerweiterung und der damit verbundene Bau aller Brücken entlang der Strecke.
Auch hier werden Umwege, Schmutz und Dreck das Bild prägen. Viele Jogger, Spaziergänger und Radler, die den Kanal tagtäglich nutzen, werden die schöne grüne und autofreie Strecke gegen ein Bild von Baufahrzeugen und -schiffen und umgewühltem Grün tauschen müssen. 5 Jahre soll sich das Projekt von Süd nach Nord durch die Stadt pflügen.
Viele rechnen jetzt schon mit einem wesentlich längeren Zeitraum.

Und dann sind da noch die vielen kleineren Bauvorhaben, wie zum Beispiel das Stadthaus 1. Die dringende Sanierung lässt auch hier bereits seit Jahren auf sich warten.
Auf der Südseite des Stadthafen I wird derzeit ebenso viel gebaut. Der Flechtheimspeicher wird in ein Büro- und Atelierhaus umgebaut und nebenan wächst gerade eine Schaukäserei in die Höhe.
Die ehemalige „B-Seite“ des Hafens wandelt endlich ihr Schmuddelimage. Nebenan verbaut die PSD-Bank den Blick auf die alte Feuerwache.
Eishalle. In diesem Jahr läuft die letzte Saison. Abriss und Wohnbebauung könnten dann dort ebenso losgehen, wie auf dem ehemaligen TÜV-Gelände an der Steinfurter Straße Ecke York-Ring.
Hinzu kommen zahlreiche weitere Bebauungs und Verdichtungsvorhaben im gesamten Stadtgebiet.
Hafencenter und Konversion der ehemaligen Britischen Kasernen und Soldatenwohnungen in Gremmendorf und Gievenbeck lassen auf sich warten.
Die Gewerbestandorte an der  Loddenheide werden erweitert.
Nach dem Umzug der Oberfinanzdirektion an den Albersloher Weg steht der Abriss der alten OFD an der Andreas Hofer Straße an, um Platz für eine Gesamtschule zu machen.
Die Stadt Münster ist ein Flickenteppich an Bebauungsplänen, der den Münsteranern und Münsteranerinnen, sowie Besuchern und Gästen der Stadt, einiges abverlangen wird.

Bebauung in Münster

Und gleichzeitig muss sich die Stadtplanung langfristige Gedanken über Hochwasserschutz und Verkehr machen, damit Münster nicht erneut absäuft, oder am Verkehrsinfarkt stirbt.
Bei letzterem arbeitet man bereits an einem Radfahrkonzept 2025, dass Ende des Jahres stehen soll. Innovative Projekte sollen Münster wieder zum Titel Klima- und Fahrradhauptstadt verhelfen, ohne dass dieser Titel nur auf die bloße Anzahl der Räder in Münster zurückzuführen ist.
Hier wird der motorisierte Verkehr auf Dauer zurückstecken müssen, aber es gibt gute Alternativen. Bereits 70% der Münsteraner legen ihre täglichen Strecken mit Fahrrad, Bus oder zu Fuß zurück.
An manchen Stellen ist Münster baulich und verkehrstechnisch bereits an seine Grenzen gekommen und dennoch weiter wird die Stadt weiter verdichtet.
Das Stadtbild verändert sich und das macht es rasant. Das muß es auch um überleben und sich im Wettbewerb behaupten zu können.
Das bedeutet aber eben, dass wir so manche Bauphase akzeptieren müssen, auch wenn das eine nicht sonderlich lebenswerte Phase nach sich zieht.

Danach jedoch -und das hat sich schon so manches mal nach anfänglicher Kritik an Bauprojekten in Münster gezeigt- lichten sich die Wolken und bevor man sich vergucken kann, haben sich die Bürger schon mit der neuen Situation abgefunden und in das neue Stadtbild verliebt. Die Stubengasse ist hier ein sehr gutes Beispiel.

2015, das Jahr mit dem viele Herausforderungen in Münster beginnen. Und das Jahr der Oberbürgermeister-Wahl.
Hier werden wir ganz genau darauf hören müssen, was luftige und populistische Versprechen und was ernsthafte, realistische Ansagen im Wahlkampf sein werden.
Nicht vergessen darf man nämlich, dass die Stadt Münster gerade erst einen Rekordhaushalt verabschiedet hat und einen Turm an Schulden vor sich her trägt.
Aber Stagnation und endlose Diskussion sind auch keine Lösung, wenn es in der kommenden Zeit so viel anzupacken gilt.

Aa-Zoo.de hält wie immer ein Auge drauf, was in unserer Stadt geschieht und wünscht allen Leserinnen und Lesern ein erfolgreiches, gesundes Jahr 2015!

Bahnhofsneubau hat begonnen

Der Anfang vom Ende des alten Hauptbahnhofs in Münster.
Die Bagger sind angerückt und nun geht es der alten Fassade an der Bahnhofstraße an den Kragen.

Eine gefühlte Ewigkeit wartet man in Münster schon auf einen neuen Bahnhof und
lange schon fühlen sich Pendler, Reisende, Touristen, wie auch die Münsteranerinnen und Münsteraner nicht mehr „Herzlich Willkommen“, wenn man bei An- und Abreise
das 1958 fertiggestellte Gebäude betreten musste, oder einen Gast empfing.

Zum 1.12.2014 wurde nun der an der Bahnhofstraße gelegene innere Westtunnel gesperrt
(Aa bis Zoo berichtete)
 und mit ihm auch der kleinere, nördliche Zugang zum Bahnhof.
Nachdem bis Ende Juli die meisten Mieter aus den Ladenlokalen ausgezogen waren ging es, nach Verzögerungen, im inneren hinter den Kulissen mit vorbereitenden Arbeiten los.

Seit heute knabbern große Baugeräte und Bagger auch am Äußeren der Fassade.
Und so gab es kaum einen Passanten, der nicht kurz für einen Handy-Schnappschuss innehielt.
Ein Vierteljahr, also bis März 2015, sollen die Abrissarbeiten andauern.
Dazu wird im Januar 2015 dann auch der große Haupteingang geschlossen um die derzeit noch in Betrieb befindliche Empfangshalle rückbauen zu können.
Zugang zu den Gleisen ist dann ab dem 15. Januar 2015 nur noch auf der Rückseite an der Bremer Straße möglich, der über Wolbecker Straße oder Hamburger Tunnel führt.
Letzterer ist bereits für den ausschließlichen Rad- und Fußweg umgebaut worden und wird in den kommenden Tagen freigegeben.
Vom Fußgängerüberweg an der Post, bis zum Fußgängerübergang zur Windhorststraße wird ein Bauzaun das Baugebiet zur Bahnhofstraße hin abgrenzen
und den jetzigen Zaun -von Haupteingang bis zum Direktionsgebäude- ergänzen.

Auf viel Dreck und Lärm müssen sich Anwohner und Passanten Montags bis Freitags zwischen 8 und 20 Uhr einstellen.
Nacht- und Wochenendarbeiten sind aktuell nicht vorgesehen.
Der Baustellenverkehr bringt eine zusätzliche Belastung für die Gegend rund um den Bahnhof mit sich.
LKW für den Abtransport von Schutt warten in der Theißingstraße auf speziellen Plätzen auf Abruf, nutzen dann die Busspur auf der Von-Steuben- und Bahnhofstraße um über die Busspur auf das Baustellengelände zu gelangen.
Genau so gelangen sie zur Abfahrt über die Busspur dann wieder an der Ausfahrt auf die Bahnhofstraße in Richtung Eisenbahnstraße.
Es ist also auf diesen Straßen mit Beeinträchtigungen für PKW und Busverkehr zu rechnen.

Ende 2016 soll das neue Bahnhofsgebäude fertiggestellt und eingeweiht sein.
Von den derzeit geplanten Kosten in Höhe von 37 Millionen Euro trägt die Stadt Münster 5 Millionen Euro, den Rest die Bahn.
Für die Ostseite des Bahnhofs an der Bremer Straße, auf der bis zur Fertigstellung der neuen Empfangshalle das DB-Informations- und Reisezentrum, ein Bäcker, Imbiss, Zeitschriftenhandel und Toiletten in einem Containerturm an der ehemaligen Stelle der 2013 abgerissenen Gepäckabfertigung untergebracht sind, wird noch ein Wettbewerb den späteren Ausbau konkretisieren.
Fernbusse halten bereits seit letztem Monat aus Platzgründen an der Hafenstraße.

Münster von Aa bis Zoo bleibt beim Bahnhofsumbau am Ball und hält euch auf dem Laufenden.

Weiterführende Informationen zum Bahnhofsneubau in Münster:

Webseite der Stadt Münster zum Bahnhofsneubau
Informationen der Bahn zum Bahnhofsneubau

Bahnhofsneubau: 12 Minuten Umweg

Die Reihen im münsterschen Hauptbahnhof lichten sich.
Geschäft für Geschäft haben seit Ende Juli geschlossen, denn der Neubau des Bahnhofs steht an.

Erst im Laufe des Jahres 2016 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
Bis dahin werden sich die Münsteranerinnen und Münsteraner, wie auch alle Bahnreisenden, Gäste, Touristen und Besucher
mit zusätzlichen Belastungen abfinden müssen.

Sperrung Haupteingänge

Nicht nur Lärm, Staub, Dreck und Baustellenverkehr werden während der Bauarbeiten unsere Nerven strapazieren,
sondern wir müssen uns auch auf einige Einschränkungen einstellen.

Die größte Einschränkung von allen, wird die Schliessung beider westlicher Haupteingänge an der Bahnhofstraße sein.
Trotz Protest und Einspruch von Seiten der Stadt, sei es zwingend notwendig beide westlichen Zugänge zum Bahnhof zu schliessen,
um den Baustellenbetrieb zu ermöglichen, so die Sprecher der Bahn.
Dann wird der gesamte Zugang zum Bahnhof auf die Ostseite an der Bremer Straße verlegt.

Auch Reisezentrum und WC-Anlagen werden dort in Containern bis zum Ende der Bauarbeiten ihr Zuhause finden, wie auch
einige Geschäfte für Reisebedarf, Bäcker und Imbiss.
Es gibt keine Ausnahmen, alle rund 60.000 Reisenden, die täglich den Bahnhof benutzen, müssen ab Oktober zwingend über die Ostseite den Bahnhof betreten.
Das bedeutet einen großen Umweg und zusätzliche Zeit einzuplanen.

Umbaubeginn ab September

Anfang September soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Ab dann ist der nördliche (kleine) Haupteingang geschlossen und ab Oktober Januar 2015 wird dann auch der südliche Eingang der Haupthalle geschlossen.
Es sind dann zwei Hauptwege zur Ostseite des Bahnhofs möglich.
Einmal nördlich über Servatiiplatz-Wolbecker Straße-Bremer Platz und zum anderen südlich über Bahnofstraße-Hamburger Straße-Bremer Straße.

Bis zu 12 Minuten Umweg

Die Stadt gibt den zusätzlichen Umweg auf Ihrer Webseite mit ~270 Metern und gut 3 Minuten zusätzlicher Zeit im günstigsten Fall an.
Eine eigene Messung zeigt, dass es ~460 Meter bis zum am weitest entfernten Gleis
und bei Menschen mit Behinderung dann gerne ~12 Minuten dauern kann, bis man aus der Stadt am Gleis ist!
Diese Zeit sollte man bis zur Fertigstellung des neuen Bahnhofs bei Zug-, Busverbindungen und Terminen einplanen.


Beispiele
: Bei einer normalen Gehgeschwindigkeit von 5 km/h und einem Weg von der Ampel Windhorststraße bis Gleis 2/3 (weiteste Strecke) benötigt man ca. 6 Minuten.
Bei langsamerer Geschwindigkeit von 2,5 km/h (Rollstuhl/Gehbehinderung/Gepäck, etc.) verlängert sich die Zeit dementsprechend bei der längsten Strecke auf 12 Minuten.

Service 
Das Reisezentrum, Toiletten, sowie Imbiss und Reisebedarf wird provisorisch während des Neubaus, an der Bremer Straße in Containern Platz finden. Ebenso werden dort zusätzliche Behinderten- und Fahrradparkplätze sowie der Taxenstand errichtet.

Verkehr
– Die Fahrspuren der Wolbecker Straße werden zwischen Servatiiplatz und Bremer Platz verengt, die Radspuren auf die Fahrbahn verlegt und die Fußwege verbreitert.
– An der Bahnhofstraße wird es eine zusätzliche Fußgängerampel an der Radstation geben. Durchfahrt Hamburger Straße wird für PKW gesperrt.
Radfahrer und Fußgänger teilen sich die Hamburger Straße. Der Tunnelbereich wird mit zusätzlichen Leuchten versehen und ebenerdig aufgefüllt.
Die Zu- und Ausfahrten zur Baustelle für die Baufahrzeuge erfolgt über die Busspur und Tore an der Bahnhofstraße.


Während der Weihnachtsmärkte wird aufgrund der erhöhten Zahl an Reisenden der Haupteingang (Südtunnel zur Innenstadt) vorübergehend provisorisch geöffnet.

Zeitplan
• Baubeginn vorbereitende Maßnahmen Ende August 2014
• Sperrung Westausgang Nordtunnel Ende August 2014
• Bezug Provisorien Oktober 2014 Januar 2015
• Sperrung Westausgang Südtunnel ab Oktober 2014 Januar 2015
• Beginn Rückbau Oktober 2014 bis März 2015
Öffnung Westausgang Südtunnel Advents- / Weihnachtszeit 2014 Anfang Dez. 2014
Erneute Sperrung Westausgang Südtunnel ab Januar 2015
• Beginn Spezialtiefbau/Baugrube/Rohbau 1. Quartal 2015
• Inbetriebnahme neues Gebäude Mitte/Ende 2016

Alles in allem liest sich das für mich wie eine große Herausforderung für die Stadt, aber wir haben seit Jahrzehnten für einen neuen Hauptbahnhof gejammert.
Die Unwetter und Aufräumarbeiten in den vergangenen Tagen haben gezeigt, dass die Münsteranerinnen und Münsteraner solchen Herausforderungen gewachsen sind.
Und so werden wir auch den Neubau des Hauptbahnhofs überstehen 🙂

Weitferführende Links:

Webseite der Stadt Münster zum Neubau des Hauptbahnhofs
Information der Bahn: „Das wird der neue Hauptbahnhof von Münster!“ (PDF,  180 kB)