Keinen Meter…der Gewalt

Wir ersparen es uns jetzt einfach mal näher auf die geplante Demonstration der Nationalen Sozialisten aus Münster am kommenden Samstag einzugehen, denn mittlerweile hat vermutlich jeder schon einmal zum Protest dagegen aufgerufen.

Von Gewerkschaften und Kirchengemeinden über Parteien,  Bands bis hin zu Bürgerschaften und Sportvereinen hat sich offenbar jeder dem Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ angeschlossen.
Der Stadtrat hat ebenso geschlossen eine Resolution gegen Rechts abgegeben.
Die Polizei hat eine Extra-Webseite eingerichtet und versucht sich dort und über die Medien als neutral zu entschuldigen. Sie ruft die Teilnehmer des Linken Aktionsbündnisses auf, die genehmigte Demonstration der Rechten nicht zu blockieren, denn auch dort habe man das Grundrecht seine Meinung kundzutun. Zuwiederhandlungen erfüllen einen Straftatbestand dem man, Gesetz dem Falle, nachkommen müsste.
Friedliche Demonstrationen wolle man Seitens der Polizei aber schützen.

Auch wir vom Münster-Tagebuch sind gegen Nazis, Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit.
Bislang haben wir aber bis auf einen Link keinen gesonderten Kommentar oder öffentlichen Aufruf verfasst um unsere Leser ebenfalls zur Teilnahme an den Gegenkundgebungen vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ aufzufordern.

Dies hat einen Grund:

Wir fanden, dass die enorme Präsenz des Themas in den Medien den Nationalen Sozialisten viel mehr Aufmerksamkeit beschert hat, als sie verdient haben.
Ebenso sind wir der Meinung dass das starke Medieninteresse die Veranstaltung der Nazionalen Sozialisten viel weiter bekannt gemacht hat, als sinnvoll ist.

Dies hat zur Folge dass sich viele Linke und Antifaschistische Organisationen bundesweit auf dieses Thema gestürzt haben und bei jeder Gelegenheit zum Protest aufriefen.
Die Reaktion des Rechten Flügels liess nicht lange auf sich warten und auch dort rief man bundesweit zur Unterstützung der Rechten Kameraden am 3.3. auf.

In der Folge sind Umfang der Rechten Demo und der Linken Gegenveranstaltungen enorm gewachsen.
Geschätzt wird deswegen die Veranstaltung den ganzen Samstag in Anspruch nehmen, begleitet von großem Medieninteresse und Sicherheitsaufgebot.

Auf Seiten von NaSoMS & Co. kann man diese Aufmerksamkeit als Erfolg verbuchen, denn dass war der Sinn Ihrer Veranstaltung.

Und aus jenem Grund wollten wir ansich dieses Ereignis lieber ignorieren, und leere Strassenzüge sehen in denen die Rechte Demo ungehört verhallt.
Gegendemonstration in Form von „No Nazi“ Plakaten in jedem Fenster hätten das Szenario unserer Vorstellung nach untermalen sollen, so wie es die Anwohnerschaft im Stadtteil Rumphorst macht.

Allerdings gibt es in den letzten Tagen eine Tendenz, die wir nicht mehr ignorieren können und wollen uns jetzt mit einem Aufruf an ALLE Demonstrationslager wenden:

Keinen Meter … der Gewalt!  

Die Spannung zwischen Linkem und Rechtem Lager rund um die Events am 3.3. stieg in den letzten Wochen immer weiter an.
Beide Seiten berichten in anonymen Blogs über Ihre Vorbereitungen zur Demo, Plakatierereien, Störaktionen und Sticheleien gegen die Gegenseite.

In sich immer weiter aufschaukelnden Reaktionen veröffentlichte man schliesslich sogar Fotos und Namen der jeweiligen Gegenpartei und schloss Gewalt am Demonstrationstag als Verteidigungsmöglichkeit nicht mehr aus.

Heute entdeckten wir aber ein Plakat der Antifaschistischen Linken im Innenstadtbereich Münsters, dass in der Überschrift direkt zur Gewalt gegen die Nazis am 3.3. aufruft.

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Auf der Webseite der Antifagruppe ruft man wörtlich auf „Nazis zu bekämpfen. Mit allen Mitteln, auf allen Ebenen“ und will so den „Naziaufmarch am 3. März zum Desaster machen“.

Auch wenn wir vom Münster-Tagebuch persönlich gegen Nazis und Rassismus sind, können wir soetwas nicht dulden und auch das Linksbündnis „Keinen Meter den Nazis“ täte gut daran vor der Demonstration noch einmal gesondert zum Gewaltverzicht aufzurufen.
Auch wenn im Aktionskonsens bereits geschrieben steht, dass von Ihnen dabei keine Eskalation ausgehen wird.
Dasselbe gilt für die Nationalen Sozialisten und ihre Anhänger.

Wir vom Münster Tagebuch dulden keine Gewalt in unserer Stadt.
In ihrer historischen Verantwortung als Friedensstadt muss Münster auch am 3.3 . 2012 friedlich und demokratisch bleiben.
Demonstrieren, ja – Gewalt, nein !

Wir hoffen dennoch auf eine rege und faire Beteiligung, vor allem auf Seiten des Aktionsbündnisses „Gegen Nazis“ und wünschen uns ein ähnlich gutes Ergebnis wie bei den Demonstrationen im Februar 2006 im Münsterschen Hansaviertel, wo nicht nur die Nazis keinen Meter taten, sondern auch galt:

Keinen Meter der Gewalt!

Friedlich demonstrieren! Man sieht sich Samstag in Münster-Rumphorst!

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5 Responses to Keinen Meter…der Gewalt

  1. Pingback: Resolution gegen Gewalt « Münster-Tagebuch

  2. Hm ja – aber selbst wenn es dann nur 150 Neonazis gewesen wären: Hätte es denn am eigentlichen Ergebnis etwas geändert?

    Die Neonazis wollen Aufmerksamkeit habt ihr geschrieben – das ist sicherlich richtig. Aber bei euch klingt das, als wären die einfach mediengeil. Das ist denke ich falsch.

    Ich denke, es geht für die Nazis aus der gesamten Region darum, in Münster richtig Fuß zu fassen – Aufmerksamkeit, um insbesondere neue Jugendliche in Münster zu werben. Denn nur wenn sich die Münsteraner Neonazis hier ernsthaft etablieren können – nur dann haben die Nazis in der Region auch die realistische Möglichkeit, sich effektiv im MünsterLAND auszubreiten.

    Es geht ihnen denke ich im Endeffekt darum, die neonazistische Bewegung in Deutschland auszubauen.

    Dieses „Nazis angreifen“-Zeugs, was ihr fotografiert habt, habe ich auch gesehen – und ich finde es albern und halte das für testosterongeschwängertes Mackertum. Sorry, aber ich kann das nicht richtig ernst nehmen. Ich hab auch am Samstag keinen „Guerillakrieg“ gesehen, wie ihn die Münstersche Zeitung herbeifantasiert hatte – und das ist natürlich auch gut so. Wer auch immer das zu verantworten hat, sollte da auf jeden Fall in Zukunft drauf verzichten.

    Ich finde aber in jedem Fall, dass ihr die Neonazis unterschätzt, wenn ihr DIE ernsthaft zum Gewaltverzicht auffordert. Ich meine: Nazis?? Gewaltverzicht???

    Ich habe den Eindruck – und das meine ich nicht böse oder so – das ihr nicht so wirklich wirklich wisst, mit wem wir es da in Münster zu tun bekommen haben!

    Hier z. B. ein paar Informationen über die Neonazis aus Hamm, die in ihrer dortigen neonazistischen Aufbauarbeit „weiter“ sind als die Neonazis aus Münster – und die nach allem, was ich gelesen habe, eng mit den Münsteraner Nazis zusammenarbeiten und am Samstag auch mit in Münster gewesen sein dürften …

    Hammer Neonazis gedenken dem SA-Führer Horst Wessel – am Tag der offiziellen Gedenkfeier für die NSU-Mordopfer:
    http://nrwrex.wordpress.com/2012/02/22/ham-neonazi-%E2%80%9Egedenken/
    http://nrwrex.wordpress.com/2012/02/24/lesetipp-neonazis-erinnern-an-%E2%80%9Eblutzeugen/

    Hammer Neonazis glorifizieren den rechtsextremen norwegischen Massenmörder Anders Breivik und verhöhnen seine Opfer:
    http://nrwrex.wordpress.com/2011/07/26/fundsachen-xxxviii-verbal-terroristen/

    Auf einer in Hamm organisierten Neonazi-Demonstration vor ungefähr 5 Monaten wird „der Führer“ abgefeiert, es wird massiv gegen Ausländerinnen und Ausländer gehetzt, offener Rassismus gepredigt, Menschen werden als „Parasiten“ entmenschlicht, die „am nächsten Laternenpfahl aufzuhängen“ seien, es wird sogar noch offener zur Gewalt aufgerufen, „Juden und Kanacken“ sollen „ins Arbeitslager“ gesteckt werden etc. pp.:
    http://nrwrex.wordpress.com/2011/10/02/ham-%E2%80%9Eam-nachsten-laternenpfahl-aufhangen%E2%80%9C/

    … ekelhaft!!!!!!!!!

    Ich glaube, ein Appell zum Gewaltverzicht ist bei solchen Leuten völlig nutzlos.

    Aber deine Einschätzung zu Wimbers „halber Wahrheit“ teile ich vollkommen.

    Und das die Nazis nächstes Jahr nicht marschieren dürfen – das sehe ich auch ganz genauso 🙂 .

  3. „Wir fanden, dass die enorme Präsenz des Themas in den Medien den Nationalen Sozialisten viel mehr Aufmerksamkeit beschert hat, als sie verdient haben.
    Ebenso sind wir der Meinung dass das starke Medieninteresse die Veranstaltung der Nazionalen Sozialisten viel weiter bekannt gemacht hat, als sinnvoll ist.“

    Ja was wollt ihr denn??
    Ohne breite Medienberichterstattung kein breiter Gegenprotest.
    Ohne breiten Gegenprotest wären die Neonazis nicht am unscheinbaren Minibahnhof Münster-Nord gestartet und eine Mini-Runde gelaufen, sondern (wie 2006) am Hauptbahnhof – und dann mitten durch die Innenstadt, über den Ring, über die Promenade und und und … weil nichts und niemand ihnen das hätte verbieten können.

    Falls ihr die lokale Presse in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt habt, habt ihr vielleicht mitbekommen, dass die Neonazis eigentlich zuerst eine ganz andere, viel längere Route nehmen wollten – nämlich vom Zentrum Nord über den Ring und bis zum Hauptbahnhof? Der absehbare breite Gegenprotest hat dies im Endeffekt verhindert. Und der wäre ohne die breite Medienberichterstattung nicht möglich gewesen.

    Also, liebes Tagebuch: Was wollt ihr??

    Es ist natürlich total ätzend, das Neonazis überhaupt existieren.

    Aber wegignorieren kann man sie auch nicht. Dafür sind sie zu gefährlich, für alle, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen. Das hat man in zu vielen Städten auch schon erfolglos versucht.
    Schaut euch mal z. B. die Situation in Hamm an, gerade mal 30 Zugminuten von Münster weg.

    • Monasterium says:

      Was wir meinten war eher so gemeint, dass das grosse Medieninteresse im letzten Vierteljahr dafür gesorgt hat, dass viel mehr Neonazis gekommen sind, als ohne diesen grossen Rummel.

      Der Rummel hat auch nachweislich gewaltbereites Potential auf der Linken Seite wachgerüttelt und dadurch haben sich die Provokationen auf beiden Seiten im Netz hochgeschaukelt.

      Der Wechsel zur kleineren Route sollte laut Polizeipräsident Wimber dafür Sorgen die Innenstadt freizuhalten, die „wegen der Demonstrationen in 2006 für eine leere Innenstadt und leere Kaufhäuser gesorgt haben“.
      Ich glaube dass ist nur die halbe Wahrheit.
      Auf der neuen Strecke durch Rumphorst war die Abriegelung der Strecke viel besser möglich als in der dicht besiedelten Innenstadt mit hohen Häusern.
      So viele Anwohner hätte man auf den dicht besiedelten Innenstadtwegen nicht mit einer Art Hausarrest blockieren können wie jetzt geschehen.
      Das ist auch ein Grund weswegen es nicht möglich war die Nazis zu blockieren.

      Nun hat das braune Pack angekündigt im nächsten Jahr wieder zu kommen.
      Aber dann dürfen sie wirklich nicht marschieren.

  4. Pingback: Demo Münster 3. 3. 2012 | rumphorst

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