In zweite Reihe verbannt

Lange gab es damals Diskussionen die denkmalgeschützte Feuerwache am Hafen zu erhalten. Dies gelang glücklicherweise und so strahlt sie seit einigen Jahren an Ihrem Standort restauriert und in frischen Farben, wenn Ihr Inneres jetzt auch einem ganz anderen Zweck dient.

Aber es bahnt sich etwas an, dass eines der Markenzeichen der Stadt und insbesondere des Hafenviertels, ab dem nächsten Jahr in die zweite Reihe verbannen und für immer verdecken wird.

Dann weicht die heutige Sicht vom Albersloher Weg auf die Feuerwache…

…in Zukunft diesem Bild:

In einer knappen Pressemitteilung machte die PSD-Bank Westfalen Lippe Anfang der Woche darauf aufmerksam, im kommenden Jahr mit dem zweiten Bauabschnitt des PSD-Bankhauses am Albersloher Weg beginnen zu wollen.
Ein Büro-Komplex, der sich auf dem Grund des jetzigen Aussenparkplatzes vor der Bank, entlang der Strasse bis an die angrenzenden Wohngebäude zieht.
Fünf Stockwerke einer glasdurchzogenen Fassade werden dabei ganz steril den Blick vom Albersloher Weg auf die alte Feuerwache verdecken.

Top Secret

Anfragen an die PSD-Bank baten in Ihrer Beantwortung um Verständnis zum derzeitigen Zeitpunkt keinerlei Auskünfte zum Projekt geben zu können.
Vom vermutlich ausführenden Architekturbüro Heupel, dass sich bereits mit der Ausführung des ersten Bauabschnittes rühmte – nicht einmal der Anstand einer Antwort.
Wofür dann die Pressemitteilung?

Wir fürchten um den Austausch des Ausblicks auf die historische Fassade einer alten münsterschen Institution, die zwischen 1928 und 1930 erbaut wurde und seinerzeit viele Leben rettete, auf einen sterilen Büroneubau.

Wolfgang Hölker, Verleger des in der alten Feuerwache ansässigen Coppenrath Verlags, sagte einst:
„Jedes Haus erzählt eine Geschichte und die darf man ihm nicht nehmen.“
So setzte er sich in der Vergangenheit mehrfach für den Denkmalschutz, nicht nur für die Restaurierung der alten Feuerwache, sondern auch weiterer Gebäude, ein und initiierte die Entwicklung des Kreativkais im Münsterschen Stadthafen mit Erhalt eines Teils der dortigen Architektur.

Nicht lebenswert

Ganz einfach schade wäre es, wenn das historische Stadtbild Münsters zugunsten immer mehr moderner und gesichtsloser Fassaden in den Hintergrund rücken würde.
Sehr oft wird die Lebenswertigkeit der Stadt Münster, festgestellt in einem acht Jahre alten Wettbewerb, hervorgehoben, doch ist die derzeitige Tendenz gegenläufig, wenn sie durch ein austauschbares Gesicht des 21. Jahrhunderts dargestellt wird.

Überrannt wird Münster derzeit von architektonisch glatten Schnellschüssen, die die fast 1220 Jahre alte Geschichte der Stadt in den Hintergrund verbannt. Alter Fischmarkt, Stubengasse, zahlreiche Carré’s in der Innenstadt, Hafencenter, Konversionsflächen – zählt Expansion und Moderne vor Stadtgeschichte?

Ich hoffe auf die Objektivität der Bürger und dass man sich zumindest im Zuge der Veränderung mit dem was kommen mag, kritisch auseinander setzt.
Münster muss keinem hippen Trend folgen und sein historisches Flair mit einem Gesicht aus Stahl und Glas maskieren, nur weil Marktforscher einen Standort als Topadresse ausweisen.
Es geht auch anders, wie andere Städte zeigen und bei Münsters alter Feuerwache wäre es ausserordentlich Schade, den Blick hierauf zu nehmen.
Und so nehme ich mir die Freiheit den Satz von Wolfgang Hölker etwaszu erweitern, in:
„Jedes Haus erzählt eine Geschichte und die sollte man nicht verdecken“.

Hier noch eine aktuelle Bilderserie der alten Feuerwache, wie man sie in Zukunft vielleicht nicht mehr sehen können wird:

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3 Responses to In zweite Reihe verbannt

  1. Pingback: Lückenschluss – Teil 1 - Münster - von "Aa bis Zoo"

  2. Sven says:

    Am schlimmsten ist es, das es wieder aus Glas ist, und wieder eine Bank, oder etwas das mit einer Bank zutun hat…
    Aber dafür haben sie natürlich Geld ohne Ende, haben sie uns ja abgezockt.

    • Holo says:

      Starke Antwort auf RTL-Niveau. Sorry. Wer keine Ahnung hat… Es würde dir gut zu Gesicht stehen, dich über die Bankenlandschaft im Allgemeinen zu informieren. Google doch erstmal, was das eG im Firmennamen bedeutet und welche Besonderheit das mit sich bringt.
      Und wenn du schon dabei bist, wirf einen Blick auf die Finanzkrise und deren Auslöser. Dann solle dir klar werden, dass Bank nicht gleich Bank ist.

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