Gefahr aus dem Boden

Ich berichte über eine Informationsveranstaltung zum Thema „Unkonventionelle Gasförderung im Münsterland„, bei der ich heute zu Gast war.

Kurzum:
ExxonMobil will Gas fördern.

Nicht auf konventionelle Art eine Gasblase anstechen und das Gas abpumpen, sondern auf eine ‚relativ‘ neue Art.
Die unkonventionelle Gasförderung.
Auf Neudeutsch auch „Fraccen“ oder „Fracking“ (von engl. „hydraulic fracturing“) genannt.

Dazu hat ExxonMobil bereits einige Gebiete erworben um Probebohrungen anzusetzen.
So auch hier im Münsterland.
Nordwalde und Drensteinfurt sind hier als nächste Orte zu nennen.


Bei der Veranstaltung heute im Café Uferlos, die von der Ratsfraktion der Linken aus Münster in Zusammenarbeit mit der „Interessengemeinschaft gegen Gasbohren“ organisiert wurde, waren ca. 50 Zuschauer anwesend.

Es wurde erklärt, dass weltweit schätzungsweise 7-10 mal mehr Unkonventionelles als Konventionelles Gas in der Erde steckt und die Konzerne dementsprechend Interesse an der Förderung haben.

Der Nutzen allerdings ist fraglich.
Um in Deutschland nur 1% der konventionellen Gasförderung durch unkonventionelle auszutauschen, werden
unglaubliche 200-400 Millionen Liter Wasser und 10-40 Millionen Liter chemische Zusatzstoffe im Jahr verwendet.
Pro Bohrloch, wovon es ca. 200 geben soll.
30-70 % dieses sogenannten „Frackwassers“ verbleiben nach Beendigung der Förderung im Boden.

Das Wasser wird mit Zusatzstoffen, die ExxonMobil übrigens geheim hält, vermischt und mit 1000 bar in Bohrlöcher bis 1500 Metern Tiefe gepumpt, um das dortige Gestein aufzusprengen und darin enthaltenes Gas freizusetzen.
Das Wasser wird wieder zurückgepumpt und das enthaltene Gas ausgewaschen.
Nach dem Fracking enthält das „Frackwasser“ ca. 550 chemische Substanzen, wobei unklar ist ob und wo es wieder Zutage tritt.

Folgen, die durch das Fracking entstehen, sind beispielsweise Schadstoff-Emissionen, Lärm durch Rund-um-die-Uhr Betrieb der Baustellen, Schwerlastverkehr, Gewässerbelastung, Gefahren durch Erdreichbewegungen, Trinkwasserbelastung, etc.

Die Stadtwerke Münster, dessen technischer Geschäftsführer Dr. Andreas Hoffknecht auch an der heutigen Informationsveranstaltung  teilnahm, sprach sich daher für ein Verbot des Frackings im Trinkwasserförderbereich aus.
Man ist bestrebt die gute Wasserqualität in Münster beizubehalten, dass man zu 75% selber gewinnt und zu 25% aus Haltern zukauft.

4-6 Bohrplätze je Quadratkilometer wird es geben, auf denen große Betonplatten das Bohrloch verschliessen.
Das sieht nicht nur bescheiden aus, es vernichtet an dieser Stelle auch Grünfläche.
Reservoirs in denen das Frackwasser für den Fördervorgang gespeichert wird, werden angelegt.
Also Giftwasserteiche.
Straßenbau für Schwerlastverkehr wird durch die bislang grüne Natur graue Fahrwege ziehen, auf denen
Materialen zu und von den Bohrlöchern transportiert wird.

Risiken die durch Fracking entstehen, sind Diffusionen im Erdreich.
Also Vermischung von chemischen Substanzen aus dem Frackwasser, mit dem umliegenden Erdreich.
Defekte in den Förderleitungen und dem Betonmantel der Förderstrecke können ebenfalls zu einer Freisetzung von Giftstoffen in das Trinkwasser bedeuten.
Auch Ausspülungen von Erdreich und dadurch entstehende Erdabsenkungen und Mini-Erdbeben können oberhalb liegende Wohngebiete gefährden.
Ausspülung von Salzen oder dem schwertoxischen und radioaktiven Radium 226 sind möglich.

In Teilen der USA und Großbritannien ist man aufgrund von schlechten Erfahrungen und Vorfällen dieser Art schon dahin gegangen Moratorien, also vorläufige Förderverbote, zu erlassen.
In Australien trat ein Verbot von beim Fracking eingesetzten BTEX Chemikalien in Kraft.

In Deutschland ist dies nicht so einfach.
Grundlage für die Förderung von Rohstoffen aus der Erde, ist das Bergrecht.
Ein Förderverbot ist nicht möglich.
Umweltgutachten müssen erst ab 500.000 Kubikmeter Fördermenge pro Tag erstellt werden, einer utopischen Fördermenge, die hierzulande niemals erreicht werden wird.
Somit müssen auch keine Umweltgutachten erstellt werden.

Zuständig ist die Untere Wasserbehörde und diese fühlt sich mit ihrer neuen Aufgabe überfordert, da sie bislang nur mit der Regenwasserprüfung betraut war.
Man will sich aber externe, fachlich versierte Hilfe ins Haus holen.

Politisch muss auch noch an der fehlende Transparenz gearbeitet werden.

Ein Unternehmen, wie die Stadtwerke Münster, kann sein Trinkwasser nicht auf Stoffe kontrollieren, die sie nicht kennt.
ExxonMobil muss die Zusammensetzung der Zusatzstoffe im Frackwasser bekannt geben.
Ausserdem muss generell eine Energiewende her, die ein Umschwenken auf regenerative Energie antreibt, anstatt auf fossile Brennstoffe zu setzen.

Bürgerbeteiligung.
Die Bürger müssen im großen Ganzen von unabhängiger Stelle über die Vorhaben, Funktionsweisen und Risiken der Unkonventionellen Gasförderung informiert und in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Trinkwasser ist ein zu wertvolles Gut, als dass wir es uns durch profitorientierte Konzerne vergiften lassen.

Weiterführende Informationsquellen zum Thema „Unkonventionelle Gasförderung im Münsterland“ gibt es bei der „Interessengemeinschaft gegen Gasbohren“, IGGG:

http://www.gegen-gasbohren.de/

Auch bei Markus Knäpper gibt es Informationen zum Thema Fracking.
Er wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft der zukünftigen Förderstelle in Nordwalde:

http://www.knppr.de/

Petition „Stopp Fracking!“ an den Petitionsauschuß des Landtags in Nordrhein-Westfalen/ Niedersachsen:

http://www.openpetition.de/petition/zeichnen/stopp-fracking

Tagged , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Gefahr aus dem Boden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*