Mehr als „nur“ ein 100-jähriges Ereignis

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen bestätigt:
Bis zu 292,4 Liter Regen pro Quadratmeter fielen stellenweise am Abend des 28.07.2014 innerhalb von nur 7 Stunden (17:00 bis 24:00 Uhr) im Raum Münster.

Das ist einer der höchsten jemals gemessenen Werte in Deutschland,
der nur mit 312 Liter pro Quadratmeter am 12. &  13.08. 2002 an der Station Zinnwald im Erzgebirge übertroffen wurde – allerdings über einen Zeitraum von 24 Stunden.
Dort führte damals der Regen zu dem verheerenden Hochwasser im Elbegebiet.

Die Niederschlagsmessstation an der Hauptkläranlage in Münster registrierte bei unserem „Jahrhundert Unwetter“ am 28.7.2014,
dass der Hauptteil der 292 Liter, nämlich 220 Liter, in der sehr kurzen Zeit zwischen 19:45 Uhr bis 21:20 Uhr fiel.
Der Wasserstand der Ems stieg vom Beginn des Regens, bis zum kommenden Morgen um 5 Meter,
was eine Erhöhung des Abflusses von ~9.000 auf ~130.000 Liter pro Sekunde mit sich brachte.

Niederschlagswerte an der Kläranlage Münster am 28.07.2014
© Bildmaterial: LANUV Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, www.lanuv.nrw.de

Die Fachleute beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW werten nicht nur Menge, Dauer und Verlauf,
sondern auch eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis aus.
Die Werte für Münster liegen statistisch gesehen sehr weit jenseits einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 100 Jahren.
Demnach war das Unwetter am 28.07.2014 in Münster zwischen den nur 7 Stunden von 17:00 bis 24:00 Uhr mehr als „nur“ ein 100-jähriges Ereignis.

Auch die Meteorologen der MeteoGroup Unwetterzentrale kommen zu dem Ergebnis:
Die in Münster gefallenen Regenmengen stellen ein Jahrhundertereignis dar.
Wie die Niederschlagsradar-Animation von Montag, 28.07.2014, 13:45 Uhr bis Dienstag, 29.07.2014, 01:30 Uhr zeigt,
zogen gleich mehrere starke Gewitter nacheinander über dasselbe Gebiet hinweg.

Radarloop Animation Münster am 28.07.2014
© Bildmaterial: Meteogroup, www.unwetterzentrale.de

Weiterführende Links:

Mitteilung des Landesamt Natur, Umwelt & Verbraucherschutz NRW zum Rekordregen in Münster (PDF, 30kB)
Mitteilung der MeteoGroup Unwetterzentrale zum Extremregen in Münster

Jahrhundert-Unwetter in Münster

Bei Gewittern und Starkregenfällen in und um Münster fielen am 28.7.2014 in 12 Stunden bis zu 200 Liter Regen auf den Quadratmeter.
Damit wurde der bisherige Rekord von 1983 eingestellt.
Zahlreiche Überflutungen führten zu großen Schäden im gesamten Stadtgebiet.
Viele Keller liefen voll und Straßen wurden überschwemmt.
Zwei Menschen kamen ums Leben.

Wir verzichten auf Bilder und versuchen in unseren Sozialen Netzwerken auf Facebook und auf Twitter auf dem Laufenden zu halten.

Weiterführende Links:

Münster von Aa bis Zoo auf Facebook
Münster von Aa bis Zoo auf Twitter
Münster-Verkehrshinweise auf Twitter
Hilfegruppe „Regen in Münster“ auf Facebook

Blicke auf Münster

Im digitalen Zeitalter ist der unmittelbare Blick in andere Städte kein Wunder mehr.
Webcams sei Dank, kann man ohne weiteres via PC, Notebook, Tablet oder Smartphone schauen, was z.B. am Lieblingsurlaubsort los ist,
wie das Wetter am Reiseziel derzeit ausschaut oder wie der Verkehr auf der Autobahn dorthin gerade läuft.
Die Anwendungsmöglickeiten sind vielfältig und auch Münster ist mit zahlreichen, öffentlich aufrufbaren Webcams ausgestattet.

Von der Wettercam über den Blick auf die Innenstadt oder die Dächer von Münster, bis hin zu projektbezogenen Kameras,
wie der Allwetterzoo in der Vergangenheit den Stand der Bauarbeiten seines Elefantengeheges dokumentierte.
Leider ist diese Kamera seit Eröffnung des Elefantenparks offline.
Auch der Flughafen Münster/Osnabrück hatte schon einmal eine Webcam, die seit einigen Jahren aber der Vergangenheit angehört.

Ganz aktuell betreibt die Beresa GmbH & Co. KG eine Webcam, um den Bau ihres neuen modernen Autohauses an der Egbert-Snoek-Straße zu dokumentieren.
Und auch die Raphaelsklinik ersetzte vor einigen Wochen ihre alte Webcam für einen Rundblick über Münsters Dächer in Videoqualität.
Letztere ist neben der Webcam auf dem Dach des Stadthauses I die Webcam mit der besten Bildqualität und Bildrate.
Beide Kameras nutzen Technik der Livespotting Media GmbH und werden ebenfalls auf den Wetterportalen von Wetter.com als ortsbezogene Webcam angezeigt.
Es gibt aber noch zwei weitere städtische Webcams und zwar auf dem Prinzipalmarkt.
Eine, die in Richtung Lambertikirche knipst und eine weitere, die vom selben Standort in Richtung Rathaus fotografiert.

Daneben sind noch die beiden Webcams der AG Klimatologie des Institut für Landschaftsökolgie der Westfälischen Wilhelms-Universität,
auf den Dächern Ihrer Institutsgebäude an der Robert-Koch-Straße und in der Heisenbergstraße zu finden.
Ebenfalls zwei Webcams hat die Yachtschule Overschmidt parat. Sie zeigen jeweils einen Blick vom Ostufer des Aasee über den Yachthafen, einmal davon in Weitwinkel.
Einen Blick in den Botanischen Garten der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gibt es auch zu erhaschen.
Allerdings ist dieser wegen der schlechten Qualität nicht durch einen richtigen Besuch zu ersetzen. Soll er auch gar nicht.

Zu guter Letzt finden sich noch die Angebote der Wetter-Webcam Münster im Netz, die ihre Bilder seit 2008 aus dem Geistviertel sendet und die Kamera des Segelclub Hansa Münster e.V. mit einem westlichen Blick vom Clubhaus auf den Aasee.

Wenn Ihr weitere Webcams kennt, die unsere Stadt zeigen, freuen wir uns gerne über einen Hinweis.

Auflistung Webcams in Münster Links (Stand Juli 2014):

Webcam Stadt Münster, Prinzipalmarkt Richtung Lambertikirche
Webcam Stadt Münster, Prinzipalmarkt Richtung Rathaus
Webcam Stadt Münster, Livestream vom Stadthaus 1 mit Rundumblick über Münster
Webcam Raphaelsklinik, Livestream vom Klinikgebäude mit Rundumblick über Münster
Webcam Beresa GmbH & Co. KG, Neubau des Autohauses Egbert-Snoek-Straße
Webcam AG Klimatologie, WWU Münster, Robert-Koch-Straße
Webcam AG Klimatologie, WWU Münster, Heisenbergstraße
Webcam Yachtschule Overschmidt, Aaseeterrassen
Webcam Yachtschule Overschmidt, Aaseeterrassen (Weitwinkel)
Webcam Botanischer Garten der WWU Münster
Wetter-Webcam Münster (Preußenwetter)
Webcam Segelclub Hansa-Münster e.V.

The Day After

The Day After – Der Tag danach. Der Titel, inspiriert von einem Endzeitfilm aus den 80er Jahren und den Wetterereignissen der gestrigen Nacht.

Wenn ich gewusst hätte, dass es so Dicke kommt, ich hätte den vorigen Artikel nicht geschrieben.
Wirkt er doch jetzt lächerlich harmlos.
Am Ende wird NRW-Innenminister Jäger das Unwetter als eines der schwersten der vergangenen 20 Jahre bezeichnen, dass an diesem Pfingstwochenende in NRW sechs Menschenleben forderte, 67 Menschen verletzte, davon 30 schwer.

In Münster begann das Szenario am Montag Abend gegen 22 Uhr.
Die Wetterdienste warnten den Tag über schon vor Gewitter und Sturmböen, während sich die Superzelle des Orkantiefs „Ela“ im Westen Europas formte.
Superzelle Pfingsten 2014 Esasat
Der Himmel zog sich zu und von Südosten näherte sich Münster eine sehr böse ausschauende Gewitterfront, mit starkem Wetterleuchten. Kein Regen im Vorfeld.
Dann ging es schnell. Die Stille wich einem schnell aufbrausenden Sturm mit hohen Windgeschwindigkeiten, anhaltenden Blitzen und Donnergrummeln.
Starkregen setzte ein und schoss fast waagerecht durch die Straßen. Über 70 Keller wurden in Münster binnen kurzer Zeit geflutet.

Zahlreiche Unterführungen, wie Niedersachsenring, Hafenstraße, Hoher Heckenweg, Mecklenburger Straße aber auch normale Straßenzüge, wie Adenauer Allee, Albersloher Weg, Wolbecker- oder Warendorfer Straße inklusive Nebenstraßen wurden wegen verstopfter Gullis überflutet oder durch Äste blockiert.
In Sudmühle wurde die Wersebrücke überschwemmt.


Ein- und Ausfallstraßen waren ebenso von Baum oder Wasserschäden betroffen und waren nur schwer oder gar nicht passierbar.
Autos und LKW gerieten unter Bäume, die Promenade glich in kurzer Zeit, wegen heruntergefallener Äste und umgestürzter Bäume, einem Schlachtfeld.
In zwei Stunden liefen bei der Feuerwehr 200 Einsätze auf. Bis Dienstag Nachmittag rückten die Einsatzkräfte rund 500 Mal in Münster aus.
Der Bahnverkehr kam nicht nur in Münster, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen zum erliegen und rollte erst Dienstag Mittag wieder langsam an.
Am Albersloher Weg und Zum Erlenbusch wurden Häuser unter Bäumen begraben. Personen kamen zum Glück nicht zu schaden.

109.238 Wolkenblitze & 206.091 Bodenblitze entlud die Superzelle in 24 Stunden auf Ihrem gesamten Weg durch Europa.

Alleine bei der Provinzial Versicherung gingen für Münster über 10.000 Schadensmeldungen mit einem Gesamtschadenaufwand von über 75 Millionen Euro ein.
Diese Zahl wird in den kommenden Tagen noch einmal nach oben korrigiert werden müssen. Hinzu kommen die Summen weiterer Versicherer.

Dank gilt den Einsatzkräften

„NRW wurde vom schlimmsten Unwetter seit rund 20 Jahren getroffen.
Wir haben es den vielen unermüdlichen Einsatzkräften zu verdanken, dass viele Gefahrenstellen rechtzeitig beseitigt wurden“,
erklärte Innenminister Ralf Jäger heute in Düsseldorf.
Auch in Münster leisteten Polizei & Rettungsdienste, THW, AWM, Umweltamt und alle involvierten Mitarbeiter der Stadt großartiges,
sodass ab Dienstag Nachmittag kaum noch was von den Folgen des Unwetter spürbar war. Zumindest in weiten Teilen des Straßenverkehrs.
Die Sonne zog ebenfalls wieder auf und bot den Münsteranerinnen und Münsteranern 28 °C. an der frischen Luft.
Aufgrund von Aufräum- und Sicherungsarbeiten sind allerdings die Schwimmbäder Sudmühle und Stapelskotten bis Mittwoch gesperrt worden.
Auch die Promenade ist teilweise gesperrt und muss noch von Geäst befreit werden.
Es wird empfohlen die Promenade zu meiden, weil derzeit noch lose Äste und Bäume herabstürzen können.
Die Versicherungen werden erst morgen oder Übermorgen mit den ersten Zahlen zu den Kosten für dieses Unwetter an die Presse gehen.

Auch meine vier Wände blieben nicht verschont. Irgendwie fand das Regenwasser durch die Decke und eine Renovierung steht nun an.
Aber auch wenn das, ich nenne es mal „Pfingst-Unwetter von 2014“ gefühlt stärker war, als der Orkan Kyrill im Januar 2007,
so sind wir in Münster mit einem Schrecken davon gekommen.
Schade um die vielen Bäume, die wieder einmal aus dem Stadtgebiet verschwinden, aber glücklicherweise blieben uns in Münster größere menschliche Tragödien erspart.
Aufrichtige Wünsche an Freunde, Bekannte und Familien, der sechs in NRW ums Leben gekommenen Menschen.
Schnelle Genesung allen, die sich bei diesem Unwetter verletzten.
Und auch wenn es jetzt viele wieder im Rahmen ihrer Gewohnheit abtun, so sollte doch jeder Einzelne einmal sein Umweltverhalten überprüfen
und nachdenken ob unser Verhalten nicht doch mitunter Auslöser solcher Wetterkapriolen sein kann, die ja doch immer häufiger und stärker werden.
Der Klimawandel ist da, wir müssen uns ändern, oder damit Leben.

Weiterführende Links:
– Youtube Video der Unwetterformationen über Europa, 09-10 June 2014, via EUMETSAT’s Meteosat-10 satellite, in 36,000 km Höhe: