Bahnhof Roxel

Während die Bagger fleissig dabei sind den Hauptbahnhof Münster abzureissen, wurde heute an anderer Stelle bereits ein neuer Bahnhof eröffnet.

Nach nicht einmal 9 Monaten Bauzeit wurde, pünktlich zum Inkrafttreten des neuen Bahn-Fahrplans, der Bahnhaltepunkt Roxel eingeweiht und freigegeben.
Ganz neu ist dieser Halt aber nicht, denn bis 1982 gab es bereits einen Bahnhof Roxel, bevor dieser seinerzeit wegen rückläufiger Fahrgastzahlen geschlossen wurde.
Städtebaulich und Verkehrstechnisch hat sich mittlerweile eine Menge getan und weiß man aber von der Wichtigkeit und den Vorteilen der Bahnanbindung, weswegen man derzeit die Reaktivierung weiterer Linien und Haltepunkte prüft.


Unweit vom alten Standort am Bahnübergang Pienersallee, befindet sich jetzt wieder die Möglichkeit mit dem Zug in Richtung Coesfeld oder Münster-Zentrum Nord zu fahren. Umständliche und langatmige Fahrten mit dem Bus, die teils bis zu 50 Minuten dauerten und mehrere Umstiege erforderten, entfallen nun.
Wenn man aus umgekehrter Richtung am Bahnhof Roxel ankommt, steht man aber nicht im Nirgendwo, denn hier befindet sich eine Haltestelle für die Buslinien 1, 10, N80, T10 und T20.


Die Besonderheit des Bahnhofs Roxel ist, dass es ein 120 Meter langer, kombinierter und barrierefreier Bahnsteig Bus/Bahn ist, der zudem als Park & Ride Möglichkeit genutzt werden kann und der zudem noch eine „Leezenbox“ bietet, in der 58 Räder wettergeschützt Platz finden. Kostenlose Schließfächer beinhalten nicht nur die Möglichkeit kleines Gepäck oder seinen Fahrradhelm zu verstauen, sondern sie bieten zudem noch die kostenlose Möglichkeit, den Akku seines Pedelec, oder E-Bikes zu laden.
Zusammen mit den 72 Radparkmöglichkeiten vor der Leezenbox sind somit 130 Fahrradparkmöglichkeiten für Pendler vorhanden.
Für den motorisierten Individualverkehr stehen 33 P&R Parkflächen zur Verfügung.


Separate Wartehäuschen für Bus und Bahn fehlen am Bahnhof Roxel eben sowenig, wie eine Infovitrine der Bahn- und eine Infostele der Bushaltestelle.
An Beleuchtung und Durchsagemöglichkeiten wurde genau so gedacht, wie an einen Snackautomat für den schnellen Hunger zwischendurch.

Eine Besonderheit sollte noch erwähnt werden:
Um die Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit an dieser neuen Haltestelle hat man sich bereits im Vorfeld Gedanken gemacht.
Fahrerinnen und Fahrer der Stadtwerke Münster sind angewiesen bei Ihren Stopps eine Checkliste abzuarbeiten.
Sollten dabei Mängel oder Beschädigungen an Haltestellen, Leezenbox, Wartehäuschen, Beleuchtung oder sonstigen Einrichtungen auffallen,
werden diese an entsprechende Stellen weitergeleitet und behoben.
Auch ein Punkt, den es so in Münster bislang nicht gab.

Die Kosten für dieses, vom Land NRW unterstützte, Kooperationsprojekt von Deutsche Bahn, Stadt Münster, Stadtwerke Münster, NWL und ZVM, belaufen sich auf ca. 712.000 Euro.
Die Eröffnung einer ähnlichen Haltestation in Mecklenbeck wird 2018 erwartet.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Bahnfahrplan der Baumberge-Bahn Linie RB 63
Busfahrpläne der Stadtwerke Münster zum Download
Elektronische Fahrplanauskunft der Stadtwerke Münster
Infoseite der Stadtwerke Münster zur „Leezenbox“

Ortsumgehung Wolbeck

„Endlich!“, mag es aus manchem Münsteraner herausplatzen und wie ein Stein vom Herzen fallen.
89 Jahre nach den ersten Planungen zur Ortsumgehung Wolbeck,
zeichnet sich ein Ende der Arbeiten ab.
Am 16. Dezember 2014 wird die 5,8 Kilometer lange Strecke der neuen Landesstraße L 585n,
die den engen Ortskern von Wolbeck entlastet, eingeweiht und für den Verkehr freigegeben.
Lange Jahre der Diskussion in Politik und Bürgerschaft, Planung, Planfeststellungsverfahren und -beschlüsse, Widersprüche, Klagen und schlussendlich -nach einigen geänderten Entwürfen- Jahre der Bauarbeiten gehen somit zu Ende.

Lange Geschichte

Die Geschichte dieser Umgehungsstraße liest sich ein wenig wie eine Odyssey:
Die ersten Bekundungen für diese Strecke gab es schon 1925, die aber wieder verworfen wurden.
Weitere Planungen gab es 1964. Auch hier wurde viel verworfen, aber die Diskussion blieb.
1999 wurde dann endlich das erste Planfeststellungsverfahren in Gang gesetzt.
2003 ein weiteres Planfeststellungsverfahren für eine veränderte Trassenführung.
2005 wurden von der Bezirksregierung Münster rund 1300 Einwendungen gegen die Ortsumgehung Wolbeck angehört. Im Februar 2008 erfolgte der finale Beschluss zum Bau der Entlastungsstrecke, den viele Wolbecker herbeisehnen. Dazwischen ein Duzend Klagen gegen den Ausbau der Wolbecker Ortsumgehung, die immer wieder für Verzögerungen sorgten.
Stark beengte Platzverhältnisse und stetig steigender Kfz-Verkehr machten eine Umgehungsstrecke im Laufe der Zeit immer notwendiger.
Als die letzten Klagen gegen den Ausbau vom Oberverwaltungsgericht Münster im September 2008 abgewiesen wurden, konnte der Landesbetrieb Straßenbau NRW, der für den Bau der Strecke verantwortlich ist, am 30. April 2009 den ersten Spatenstich für die erste Brücke der Ortsumgehung setzen. Doch danach passiert erst einmal nichts mehr.
Ging man anfänglich davon aus, dass bereits im folgenden Jahr der erste Bauschabschnitt im Norden Wolbecks fertiggestellt sein würde, so begannen die Bauarbeiten hierzu erst Mitte August 2011. Nach dessen Fertigstellung im Frühjahr 2012 folgte dann am 5. November 2012 der Startschuss für den zweiten Bauabschnitt, im Süden von Wolbeck.
So wurde die Fertigstellung von Jahr zu Jahr verschoben.

Streckenverlauf

Sieben Brücken, drei Kreisverkehre und sieben Querungen für Amphibien wurden für die neue Strecke erforderlich.
Hinzu kamen Anbindungen und Zubringer zu anliegenden Straßen und Wohngebieten.

Streckenverlauf Ortsumgehung Wolbeck  L 585n

Am ersten Kreisverkehr im Norden zwischen Münsterstraße, Alter Postweg und Alter Mühlenweg abzweigend, führt die neue Strecke, die das Land NRW am Ende statt 15 über 23 Millionen Euro gekostet haben wird, westlich am Gewerbegebiet Wolbecker Windmühle und dem Sportzentrum Wolbeck vorbei Richtung Süden, kreuzt die Hiltruper Straße im nächsten Kreisverkehr und endet dann im Süden am dritten Kreisverkehr bei Steintor, Wolbecker Straße und L 520.

Auch wenn die Strecke offiziell noch nicht freigegeben wurde, hat Aa bis Zoo die Ortsumgehung am einem sonnigen Wochenende einmal -münstertypisch- mit dem Fahrrad abgefahren und traf auf erstaunlich viele Anlieger, die die gleiche Idee hatten und die Route für einen Spaziergang oder eine kleine Radtour nutzten.

Hier zwei Videos der Strecke in beiden Richtungen. Nicht spektakulär aber schon bald seltenheitswert, da zum Aufnahmezeitpunkt noch für den Kfz-Verkehr gesperrt.

Ortsumgehung Wolbeck (L 585n) von Norden nach Süden:

Ortsumgehung Wolbeck (L 585n) von Süden nach Norden:

Windenergie für Münster

„Passt, wackelt und hat Luft“, sagt man in der Baubranche.
Diese Redewendung fand heute Umsetzung bei uns in Münster.
Luft hat sie genügend, die neue Windenergieanlage, die hier an diesem Wochenende montiert wurde.

Vor fast 2 Jahren erst, im Dezember 2012, wurde ein Windrad zur Stromerzeugung in Wolbeck aufgebaut, 10 Jahre zuvor in Nienberge.
Heute wurden die äusserlich letzten Schritte bei der Montage des Rotors der neuen Windenergieanlage der Stadtwerke-Münster in Amelsbüren abgeschlossen.


Wohl noch zwei Wochen dauern die Feinarbeiten, dann ist die neue Anlage klar zur Stromproduktion.
Dabei toppt sie die Werte ihrer Vorgänger von 0,6 Megawatt in Nienberge und 2,05 Megawatt in Wolbeck.
Das Amelsbürener Windrad an der Thierstraße hat eine Leistung von 2,4 Megawatt und wird 1450 Haushalte versorgen. Über 3000 Tonnen CO2 werden durch sie eingespart.
Zwei baugleiche Modelle vom Modell Nordex N117 folgen in den kommenden Wochen in Roxel. Ihr Maschinenhaus befindet sich in 91 Meter Höhe und der Durchmesser der Rotorblätter beträgt 117 Meter.
Damit ragen sie jeweils 149,5 Meter in die Höhe.

Die Stadtwerke-Münster verfügen dann insgesamt über 18 eigene Windenergieanlagen und sind zusätzlich über Green Gecco an weiteren Windparks beteiligt.
Über 80 Millionen Kilowattstunden Grüner Strom werden jährlich auf diese Weise produziert und rund 22.850 Haushalte damit versorgt.


Die Bürger werden später wieder eine Möglichkeit haben, sich an diesen Anlagen und somit am Ausbau erneuerbarer Energien zu beteiligen.
Die Stadtwerke planen hierzu ein Genossenschaftsmodell, über das zu gegebener Zeit separat informiert wird.

Ein tolles Video des Aufbaus der Windenergieanlage in Wolbeck haben damals die Jungs von Münster 4 Life für die Stadtwerke gedreht:

Weiterführende Links:

Stadtwerke Münster Energieerzeugung
Nordex Windenergieanlagen
Green Gecco Partnerschaft für erneuerbare Energien

Mehr als „nur“ ein 100-jähriges Ereignis

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen bestätigt:
Bis zu 292,4 Liter Regen pro Quadratmeter fielen stellenweise am Abend des 28.07.2014 innerhalb von nur 7 Stunden (17:00 bis 24:00 Uhr) im Raum Münster.

Das ist einer der höchsten jemals gemessenen Werte in Deutschland,
der nur mit 312 Liter pro Quadratmeter am 12. &  13.08. 2002 an der Station Zinnwald im Erzgebirge übertroffen wurde – allerdings über einen Zeitraum von 24 Stunden.
Dort führte damals der Regen zu dem verheerenden Hochwasser im Elbegebiet.

Die Niederschlagsmessstation an der Hauptkläranlage in Münster registrierte bei unserem „Jahrhundert Unwetter“ am 28.7.2014,
dass der Hauptteil der 292 Liter, nämlich 220 Liter, in der sehr kurzen Zeit zwischen 19:45 Uhr bis 21:20 Uhr fiel.
Der Wasserstand der Ems stieg vom Beginn des Regens, bis zum kommenden Morgen um 5 Meter,
was eine Erhöhung des Abflusses von ~9.000 auf ~130.000 Liter pro Sekunde mit sich brachte.

Niederschlagswerte an der Kläranlage Münster am 28.07.2014
© Bildmaterial: LANUV Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, www.lanuv.nrw.de

Die Fachleute beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW werten nicht nur Menge, Dauer und Verlauf,
sondern auch eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis aus.
Die Werte für Münster liegen statistisch gesehen sehr weit jenseits einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 100 Jahren.
Demnach war das Unwetter am 28.07.2014 in Münster zwischen den nur 7 Stunden von 17:00 bis 24:00 Uhr mehr als „nur“ ein 100-jähriges Ereignis.

Auch die Meteorologen der MeteoGroup Unwetterzentrale kommen zu dem Ergebnis:
Die in Münster gefallenen Regenmengen stellen ein Jahrhundertereignis dar.
Wie die Niederschlagsradar-Animation von Montag, 28.07.2014, 13:45 Uhr bis Dienstag, 29.07.2014, 01:30 Uhr zeigt,
zogen gleich mehrere starke Gewitter nacheinander über dasselbe Gebiet hinweg.

Radarloop Animation Münster am 28.07.2014
© Bildmaterial: Meteogroup, www.unwetterzentrale.de

Weiterführende Links:

Mitteilung des Landesamt Natur, Umwelt & Verbraucherschutz NRW zum Rekordregen in Münster (PDF, 30kB)
Mitteilung der MeteoGroup Unwetterzentrale zum Extremregen in Münster