Freies WLAN in Münster

Kein Jahr ist es her, da rollte der WLAN-Aktionismus durch die Presse.
Gratis-WLAN in den Innenstädten hier, halbe Stunde gratis WLAN bei der Bahn, dort.
Hotspots an jeder Straßenecke.
Gerufen haben alle danach.

Umsetzung in den Städten schwach

Viele Kommunen befürworten den Ausbau eines flächendeckenden und kostenlos nutzbaren WLAN-Netzes in Ihren Innenstädten.
Logisch, denn sie profizieren davon. Jedes Foto eines Touristen auf Twitter oder Facebook, jedes Video auf Youtube ist gratis Werbung für die Stadt, lokale Gewerbe und Gastronomie.
Sei es aus dem Museum, von Sehenswürdigkeiten oder aus dem gemütlichen Altstadt-Café.
Die Stadt Pforzheim war in Deutschland Vorreiter unter den Großstädten und bietet seit Ende letzten Jahres in der Innenstadt einheitliches freies Highspeed-WLAN.
Berlin, Heidenheim, Düsseldorf und weitere folgten und überdecken mit wenigen WLAN-Hotspots lediglich die belebten Innenstädte.
Der Schwachpunkt hierbei: Meistens ist eine Registrierung erforderlich.
Ein Killerfaktor, nicht nur für Touristen.

Funke bei der Stadt noch nicht übergesprungen

Auch in Münster kam die Forderung nach WLAN in der Stadt in die Öffentlichkeit, nachdem einige Parteien Anträge & Ratsvorlagen präsentierten.
Trotz dem daraus folgenden Ratsbeschluss ist von Seiten der Stadt seither aber kaum etwas passiert. Kein Wunder:
Eine flächendeckende Infrastruktur ist teuer und die Kassen sind leer.
Mit Institutionen, Firmen und auch Vereinen wolle man den weiteren Ausbau vorantreiben, hieß es.
Das kann allerdings dauern, denn von Seiten der Stadt stellt man lediglich Zugang und Strom in öffentlichen Gebäuden bereit.

Störerhaftung als WLAN-Killer

Derweil haben einige Gastronomen und Gewerbetreibende auf eigene Kappe in Ihren Räumen WLAN eingerichtet, um es den Kunden als Service zur Verfügung zu stellen.
Auch hier muß man sich registrieren, oder man bekommt auf Anfrage einen Bon mit einem zeitlich begrenzten Zugangscode.
Das Risiko liegt hier aber immer noch bei den Anbietern.
Sie setzen sich mit dem zur Verfügung stellen ihres WLAN der Störerhaftung aus, über die in Deutschland immer wieder gestritten wird.
Diese besagt im Internetrecht quasi eine Haftung des Anschlussinhabers, wenn über seinen Anschluss Unfug verzapft wird.
Auch Privatleute schrecken daher davor zurück, Ihr WLAN öffentlich zur Verfügung zu stellen, aus Angst stellvertretend für die Nutzer haftbar gemacht zu werden.

Freifunk – Die Lösung. Einfach, schnell und sicher.

Dabei ist alles so einfach. Seit geraumer Zeit expandiert eine Initiative in Deutschland, die sich zur Aufgabe gemacht hat, ein nicht-kommerzielles WLAN-Netz aufzubauen.
Freifunk nennt sich das ganze und hat in Deutschland den Ursprung in Berlin. Findige Programmierer haben eine Software für gängige, günstige und weit verbreitete WLAN-Router geschrieben, die es den Besitzern ermöglicht, Ihren Internetanschluß über WLAN zu teilen, und zwar ohne Risiko.


Freifunk ist sicher, denn der freigegebene Datenverkehr wird vom Heimanschluß getunnelt über Freifunk-Server in Schweden des Freifunk Rheinland e.V. geleitet und von dort aus gelangt man dann erst auf die Webangeboten, die man aufrufen möchte. Egal ob Messengerdienste auf dem Smartphone, Youtube, Email oder surfen auf Webseiten.
Und auch in Münster wächst gerade so ein freies Gemeinschaftsnetz unter dem Namen
Freifunk-Münster„.
Hier treibt ein harter Kern technik-affiner Menschen, unterstützt von den Mitgliedern des Warpzone e.V. das Projekt mit großen Schritten voran.
Am Hawerkamp bespielen die Jungs und Mädels Router mit Software, tüfteln am Ausbau des Netzes,
oder versorgen beispielsweise das Kreuzviertelfest vor Ort mit WLAN.

WLAN-Netz. Von Bürgern, für Bürger.

Das Prinzip ist einfach. Jeder kann mitmachen, egal ob Privatperson, Unternehmer, Gastronom, öffentliche Institution, Kirche oder Verein.
Was man benötigt ist ein lediglich ein Freifunk-tauglicher WLAN Router, den man mit seinem vorhandenen (DSL)-Router verbindet.


Diese sind neu ab 15 Euro im Handel zu erwerben. Eventuell liegt zuhause bereits so ein Gerät herum.
Wer sich nicht auskennt, kann auch direkt bei den Freifunkern nachfragen,
ob sie gerade vorkonfigurierte Geräte auf Lager haben, die man dann zum Selbstkostenpreis erwerben kann.
Das Einrichten des Routers ist einfach. Ist der Router bereits mit der Freifunksoftware (Firmware) bespielt, fällt nur eine einmalige Einrichtung an.
Dazu muß die Startseite der Routeroberfläche aufgerufen und die dortigen Felder und Optionen ausgefüllt werden.
Hier kann ein Name des WLAN-Knotens eingegeben werden, man kann den Anteil der Bandbreite seines Internetanschlusses einstellen,
und ob sein Freifunkknoten auf der Übersichtskarte erscheinen soll.
Es wird dann ein Code generiert, den man zum freischalten an das Freifunk-Team Münster sendet. Die schalten den Router einmalig frei und es kann los gehen.
Jeder im Umfeld des Routers kann das Netz nutzen. Einfach mit dem WLAN „Freifunk“ verbinden. Da es ein freies WLAN ist, ist ein Passwort nicht erforderlich.
Eine Anleitung steht auf der Webseite zur Verfügung. Auch hier gilt das Angebot Mittwochs um 19 Uhr am Hawerkamp vorbeizuschauen.
In der Regel ist immer jemand da, der einem für Rat und Tat zur Verfügung steht.

Viele Anwendungsmöglichkeiten für die Zukunft

Daß die ganze Sache einfach ist, kann ich bestätigen. Auch ich habe mir einen Freifunk-Router besorgt, konfiguriert und angeschlossen.
Meine Gäste können das Freifunk-Netz nutzen und ich muß mir keine Sorgen um die Störerhaftung machen.
Je mehr beim Projekt Freifunk Münster mitmachen, desto dichter wird das Netz und um so unabhängiger wird Münster von kommerziellen Anbietern.
Theoretisch wäre es möglich, dass man so ein lokal völlig autarkes Netz erstellt, das komplett unabhängig von Internetprovidern ist.
Gesetzt den Fall, das komplette Internet würde beim nächsten Jahrhundertregen in Münster ausfallen,
könnte Kommunikation und Datentransfer über das Freifunk-Netz gewährleistet werden.
Auch könnten Internetunabhängige Datendienste jeglicher Art angeboten werden. Dazu müßte das Freifunk-Netz allerdings sehr engmaschig sein.
Davon ist Münster im Moment derzeit noch etwas entfernt, aber das hiesige Netz wächst rapide.

In den letzten Monaten ist „Freifunk Münster“ bereits auf derzeit 85 Knoten über 370 Knoten angewachsen, die ihren Internetanschluß mit der Allgemeinheit teilen.
Tendenz: steigend. Auch ausbauschwache Gebiete können von Freifunk profitieren.

Nutzungsverlauf

Das gesamte Hawerkamp-Areal wurde so vernetzt und auch viele münstersche Gewerbetreibende und Gastronomen bieten ihren Kunden das kostenlose Freifunk-Netz.
Schloßgarten-Café, oder die Peacock-Lounge zum Beispiel, um nur einige zu nennen.
Und eines steht auch fest: Wo Netz ist, da sind auch Leute 🙂
Also macht mit und beteiligt euch aktiv am Netzausbau in Münster 😉
Hier nochmal ein kurzer Videoclip, worum es bei Freifunk geht:

Und hier noch ein ausführliches Einführungsvideo von Freifunk Münster:

Update 14.05.2015
Mittlerweile gibt es über 350 Freifunk-Knotenpunkte im Münsterland.  Das Freifunk Netz wächst in Münster und der Umgebung.
Darüber hinaus, haben die Freifunker aus der Warpzone in Münster die Verbindung an den Backbone im Rheinland angeschlossen.
Diese gelten selbst als Provider und die Verbindung über Schweden entfällt. Das ist insofern gut, als das die Verbindung stabiler sein soll und das Angebot der Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten können jetzt ohne Einschränkungen genutzt werden.

Der Freifunk Rheinland e.V. als Betreiber des Backbones ist eingetragener Internet Registrar bei der RIPE NCC und kann IP Adressen an andere Freifunk Communities vergeben.
Dadurch ist man jetzt technisch und rechtlich ein Internet Service Provider (ISP).

Als ISP ist der Freifunk Rheinland e.V. von der Störerhaftung ausgeschlossen.
Vorher war die Umleitung über Schweden notwendig da diese Ausnahme nicht gegriffen hat.

Die SSID des Freifunk Netzwerkes werden ab dem 20. Mai nicht mehr unter „freifunk.muenster.net“, sondern nur noch unter „Freifunk“ betrieben.

Weiterführende Links:

Freifunk Münster
Kurzübersicht: Was ist Freifunk?
– Förderverein Freie Netzwerke e. V.
Aktueller Status Freifunknetz Münster

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Rund 5000 Mitarbeiterinnen & Mitarbeiter von Brillux feierten am vergangenen Samstag Abend, den 14.06.2014 exklusiv auf dem ehemaligen Gelände der York-Kaserne, in Münster-Gremmendorf, den 125. Geburtstag ihres Unternehmens.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und exklusiv in einer extra auf dem Gelände errichteten Feierhalle, wurde den Beschäftigten ein buntes Farbspektakel geboten.
Trommler-Gruppe, Künstlerband, Action Painter und Popchor Münster bildeten ein farbiges Rahmenprogramm.
Das Highlight war wohl der Auftritt der Schlagersängerin Helene Fischer, die thematisch passend aus Ihrem aktuellen Album „Farbenspiel“ vorgetragen haben dürfte.
Weiter gehen die Feierlichkeiten vom 27. bis zum 29. Juni, wo dann Kunden und Geschäftspartner zum Feiern an den Stammsitz eingeladen sind. Rund 40.000 werden erwartet.

Kungelei?

Wie das Unternehmen es geschafft hat, die Feierlichkeiten auf dem ehemaligen britischen Kasernengelände ausrichten zu können, das bislang noch dem Bund und nicht einmal der Stadt gehört, verriet man uns auf Anfrage nicht. Entweder hat Brillux mit der Stadt gekungelt, die ihrerseits mit der BImA Rücksprache gehalten haben müsste, oder aber Brillux hat direkt mit der BiMA verhandelt. Auch ob die weiteren Feierlichkeiten am letzten Juni Wochenende auf dem Gelände stattfinden, beantwortete man Aa bis Zoo nicht.
Man darf aber davon ausgehen, da die Dekoration anscheinend nicht abgebaut wird.
So oder so ist ärgerlich, dass den Bürgerinnnen und Bürgern der Stadt der Zugang zum Gelände verweigert wird, während dort Privatveranstaltungen abgehalten werden dürfen.

Weiterführende Links:
Aa bis Zoo Artikel zum Konversionsprozess in Münster-Gremmendorf

Rauf auf die Straße

Letzten Dienstag habe ich auf die Critical Mass Bewegung in Münster und die bevorstehende Protestfahrt am vergangenen Freitag hingewiesen.
Einen Bericht über das Event bin ich aber noch schuldig.
Ich wollte noch auf Medienecho warten, doch die lokale Totholzpresse in Form von Westfälischen Nachrichten und Münsterscher Zeitung, sind so ziemlich die letzten auf dieser Welt, die vom derzeitigen Trend Critical Mass nichts geschrieben haben.
Critical Mass Logo
Dabei ist diese Protestbewegung kein lokales Ereignis, sondern derzeit in vielen Städten zu finden.
Über 10.000 Radler nahmen im Mai alleine in Deutschland an Critical Mass Fahrten teil.
Eine Steigerung von über 25% zum April und auch in Münster stieg die Beteiligung um fast 90%.
Zwar ist die Teilnehmerzahl mit 90 hier noch beschaulich, aber dennoch gut, wenn man das Hafenfest und den Brückentag berücksichtigt.
Die Rekordzahl von über 5000 Radlern in Hamburg am vergangenen Freitag, ist imposant und wurde in Münster mit ehrfürchtigem Respekt aufgenommen.

Critical Mass, die 2. in Münster

Doch erst einmal zur hiesigen Critical Mass.
Jeden letzten Freitag im Monat ist es in Münster so weit. Treffpunkt Schloss, 16:30 Uhr, Abfahrt 17 Uhr.
So auch am 30.05.2014 bei Münsters 2. Critical Mass.
Rund 90 Radler versammelten sich gut gelaunt mit ihren Vehikeln auf dem Schlossplatz.

40 mehr als noch im Monat zuvor. Von Mountainbike über Rennrad, Hollandrad, Cargobike bis hin zum Liegerad war alles vertreten, das Teilnehmerfeld von jung bis alt sehr bunt gestreut.
Einige der Radler kannten sich bereits von der Fahrt im April und auch so war der Austausch rege,
bis es dann los ging, rauf auf die Straße.

Die erschienene Motorradstreife der Polizei begutachtete den Verband der losströmenden Radler am Ende des Schlossplatzes.
Jedoch verzichtete man uns zu begleiten. Danke für das Vertrauen!
Ungewohnt, fand sich die Kolonne dann auf der Straße, anstelle des Radweges wieder.
Aber dies ist Sinn und Zweck der Fahrt – auf die Gleichberechtigung des Radverkehrs gegenüber dem motorisierten Verkehr und die nicht vorhandene Radwegbenutzungspflicht hinzuweisen.
Es wissen viele Verkehrsteilnehmer nämlich nicht, dass kein Zwang zur Radwegbenutzung besteht, ausser wo es durch blaue Verkehrsschilder ausdrücklich angeordnet ist.
Schnurstracks ging es im niedrigen Tempo weiter von Münzstraße über den Bült, die Eisenbahnstraße entlang.
Getreu dem Motto „Wir blockieren nicht den Verkehr – wir sind der Verkehr!“ und unter Berücksichtigung des § 27 der Straßenverkehrsordnung, tourte die Gruppe weiter, den Servatiiplatz hinter sich lassend in Richtung Ludgerikreisverkehr – dem Verkehrsknotenpunkt in Münster, der dann auch prompt unter der Critical Mass zusammenbrach.

Die Radlergruppe vereinnahmte mit ihrem Verband dreiviertel des Kreisverkehrs, und so manch Autofahrer auf der inneren Fahrbahn, der aus dem Kreisverkehr wollte, aber wegen des Radlerverbandes offensichtlich nicht konnte, kam schnell an seine Belastungsgrenze.
Teils wüste Beschimpfungen und Motorheulen, sowie Drängelversuche von manchem Autofahrer mussten durch Hinweise der Radler auf die doch straßenverkehrskonforme Critical Mass und Ihren Sinn eingezäumt werden.
Nicht jeder Autofahrer wollte verstehen, dass im Straßenverkehr nicht der- oder diejenige mit den meisten Pferdestärken Vorrang hat.
Einsicht für gegenseitige Rücksichtnahme war auf Seiten manches Kraftfahrzeugführers Fehlanzeige und noch so manches Mal sollte es auf dem weiteren Verlauf der Critical Mass Tour zu nicht nachzuvollziehenden Reaktionen auf Seiten der Autofahrer kommen.
Der Pulk der Radler zog weiter, die Hammer Straße entlang, wo doch einige Autofahrerinnen und -fahrer von der zweiten Fahrspur aus den Radverband meinten durchbrechen oder weghupen zu können, weil sie auch rechts in die Metzer Straße abbiegen wollten. Auch hier mussten Ordner aus der Radlertruppe versuchen friedlich zu schlichten.
Im finalen Abschnitt der Critical Mass ging es dann die Weseler Straße entlang, über den Stadtgraben zurück zum Schlossplatz.

Fazit

Gut 50 Minuten war die Tour in Münsters Straßenverkehr unterwegs. Wohl keinem der Radler gefielen die unschönen Anfeindungen der Autofahrer.
Spaß an der Tour hatten aber dennoch alle Teilnehmer. Die Stimmung war sehr gut und Kontakte wurden im Anschluss im Café Geistreich der Autofreien Siedlung Weißenburg e.V. geknüpft und Ideen diskutiert, wie man die Critical Mass am 27. Juni fortführt.
Dann am liebsten mit noch mehr Radlern, die für die Gleichberechtigung im Straßenverkehr strampeln.
Für Musik wird gesorgt sein und mit Flyern will man für Aufklärung bei den aussenstehenden Verkehrsteilnehmern sorgen.

Medienecho zur Critical Mass in Münster gab es dennoch.
Zwar nicht in den lokalen Printmedien, wohl aber im Campusradio Q, dem Onlinemagazin iley.de oder von Daniel, der extra aus Osnabrück angereist war um an der münsterschen Critical Mass teilzunehmen. Er schreibt bei sich im Blog, it started with a fight, darüber.
Bundesweit gibt es noch viel mehr Medienecho zu den bundesweiten kritischen Massen, die Freitag unterwegs waren.
Insbesondere auch zur sehr teilnehmerstarken Critical Mass in Hamburg.

Fortsetzung

In Münster wird die Critical Mass an jedem letzten Freitag im Monat fortgesetzt.
Treffpunkt ist um 16:30 Uhr vor dem Schloss.
Los geht die Fahrt um 17 Uhr.

Critical Mass Münster

 

Weiterführende Links:

Facebook Fanpage Critical Mass Münster
Facebook Gruppe Critical Mass Münster
Critical Mass Münster auf Twitter
Critical Mass App für Android mit Live Map

Elf Monde über Münster

„Ist das Kunst, oder kann das weg?“ ist der verbreitetste kritische Spruch über Kunstwerke, mit denen Passanten im ersten Augenblick nichts anfangen können.
Doch über Kunst lässt sich bekanntlich nicht streiten. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht.
Und während dem einen ein Kunstprojekt etwas sagt, bleibt dem anderen eine Bedeutung und Wirkung versagt.

Und genau hierauf setzen Künstler Tobias Rehberger und die Initiatoren, zu denen ISG Bahnhofsviertel Münster e. V. und Stadt Münster gehören –
Diskurs über Kunst im öffentlichen Raum anzustoßen.

Moon in Alabama“ nennt Rehberger das Projekt, das beinhaltet elf der 69 Strom- und Schaltkästen im Bahnhofsviertel künstlerisch umzugestalten.
Die ersten Kästen wurden bereits im vergangenen Jahr eingeweiht und heute feiert das vor einem Jahr besiegelte Projekt mit der festlichen Einweihung der letzten Kästen seine Fertigstellung.
Elf Kästen stehen für elf Monde an elf Orten in der Welt.
Also nicht nur der Bundesstaat Alabama in den USA, sondern auch Ibiza auf den Balearen, Lampertswalde in Sachsen, Tschornobyl in der Ukraine, Taormina in Sizilien, der Gletschersee Jökulsárlón auf Island, Kyoto in Japan, Baku in Aserbaidschan, Jericho in Palästina, Wanne Eickel im Ruhrpott und dem indischen Bundesstaat Goa.

Schmiedemeister und Künstler Werner Paß aus Havixbeck war für die handwerkliche Umsetzung der Kunstwerke zuständig, die jetzt in teils schrillen Farben die Straßen zwischen Bahnhof und Innenstadt säumen.
Technische Rafinesse im inneren sorgt dafür, dass der an jedem Schaltkasten befindliche künstliche Mond genau dann scheint, wenn er es in Wirklichkeit auch an dem Ort tut, den er jetzt als Kunstwerk repräsentiert.

Über eins kann man dann doch streiten und das sind die Kosten von rund 500.000 Euro. Zwar brüstet sich Initiator Peter Cremer von der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Bahnhofsviertel Münster e.V. rund die Hälfte davon bei Sponsoren in den eigenen Reihen gesammelt zu haben, doch teilen sich Stadt Münster und das Land NRW in Zeiten klammer Kassen und nach schon vorhandener Kritik am ebenso teuren Picassoplatz, die verbleibenden 250.000 Euro.

Bleibt abzuwarten ob sich der erwartete Erfolg im Rahmen der sich alle zehn Jahre wiederholenden, internationalen Ausstellung, Skulptur.Projekte, im Jahr 2017 auszahlt, bei der rund 500.000 Besucher erwartet werden.

Und das sind die elf umgestalteten Schaltkästen mit Ihrem Standort im Bahnhofsviertel:

1. Moon in Ibiza – Berliner Platz
Moon over Ibiza

2. Moon in Lampertswalde – Bahnhofstraße 19
Moon over Lampertswalde

3. Moon in Tschornobyl – Bahnhofstraße 12
Moon over Tschornobyl

4. Moon in Alabama – Bahnhofstraße Ecke Urbanstraße
Moon over Alabama

5. Moon in Taormina – Servatiiplatz
Moon over Taormina

6. Moon in Jökulsárlón – Urbanstraße Ecke Achtermannstraße
Moon over Jökulsarlon

7. Moon in Kyoto – Von-Vincke-Straße
Moon over Kyoto

8. Moon in Baku – Von-Vincke-Straße Ecke Windthorststraße
Moon over Baku

9. Moon in Jericho – Engelstraße Ecke Herwarthstraße
Moon over Jericho

10. Moon in Wanne Eickel – Engelenschanze
Moon over Wanne Eickel

11. Moon in Goa – Von-Steuben-Straße 23
Moon over Goa

Und? Was meint Ihr? Ist das Kunst, oder kann das weg?

Weiterführende Links:

Projektseite mit Übersichtsplan zum herunterladen als PDF
Zeitungsartikel „Stromkästen sollen für 500.000 Euro zu Kunstwerken werden“, Münstersche Zeitung